St. Salvator und Luther

1517 schlug Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Das war der Beginn der Reformation. 1717 wurde der Grundstein für die Salvatorkirche gelegt. Das war genau 200 Jahre danach. Das war den Erbauern bewusst. Die kleinste Bronzeglocke bekam 1819 die Inschrift: “Ich preise laut durch meinen Ton, die heilsame Reformation – wollt aber ihr sie würdig feyern, müsst ihr des Herzens Tempel auch erneuern.” Darunter die Anmerkung: “Diese Glocke nehmlich war bestimmt dem dritten Jubelfeste der Kirchenverbesserung den 31. Oktober 1817.” Auch heute setzen wir diese Tradition fort und verstehen die Salvatorkirche bewusst als lutherischen Memorialbau. 2017 feiern wir im Kernland der Reformation ihr 500jähriges Jubiläum. Schon jetzt beginnen die Feierlichkeiten und auch die inhaltlichen Recherchen. Seit 2007 trägt jedes Jahr der Reformationsdekade ein Motto. 2015 wird es in ungezählten Ausstellungen und anderen Veranstaltungen um das Thema “Reformation und Bild” gehen. Dieser Workshop bereitet darauf vor.

Als die Reformation zuerst Thüringen und dann auch den Rest der Welt erreicht hatte, kam es eines Tages zum ersten protestantischen Kirchenbau. Bisher waren die Kirchen einfach weiter benutzt worden. Aber nun sollte in Torgau eine neue Schlosskapelle gebaut werden. Deshalb musste Luther überlegen, wie eine protestantische Kirche aussehen sollte. Er gab seinen Kirchenarchitekten nur einen einzigen Rat. Die Kanzel musste im Kirchenraum ebenso zentral sein wie der Altar. Die Predigt war ihm nämlich genauso wichtig wie die Sakramente. So wurde es gemacht, und allmählich entwickelte sich der lutherische Kanzelaltar, der in der überwiegenden Zahl der Thüringer Dorfkirchen heute noch zu sehen ist. Eine wichtige Stadtkirche, die das lutherische Bauprogramm übernommen hat, ist St. Salvator auf dem Nikolaiberg in Gera. Die Barockkirche, die 1903 im Geiste des Jugendstils komplett umgestaltet wurde, wird von einem eindrucksvollen Altar-Kanzel-Ensemble geprägt. Da es in Europa nur wenige Kirchen gibt, die eine so geschlossene Jugendstileinrichtung aufweisen, bemüht sich die Gemeinde St. Salvator als Offene Kirche zu präsentieren. Ehrenamtliche Kirchenführer habe es bisher auf sechs Öffnungstage gebracht. Außerdem sammelt die Gemeinde m Moment Spenden, um die Fassade des Kirchenschiffes zu sanieren. Den Spendenaufruf finden Sie hier.