Predigten

Palmesel von Manfred Stumpf

Palmesel von Manfred Stumpf

Purer Enthusiasmus. Pure Euphorie. Zu beiden Seiten der Straße standen sie. Reckten die Hälse. Einen Blick auf den zu richten, der da kommt. Einen Blick erhaschen. Jesus ritt auf einem Esel. Klein war er. Nicht erhaben auf einem Pferd. Nicht thronend über allen ritt er ein. Vielleicht war er ja sogar schon vorüber geritten – und alles recken der Hälse war umsonst. Hosianna riefen die Menschen. Alles wird gut. Alles wird gut in dem von den Römern besetzten Gebiet. Endlich erfüllt sich Hoffnung. Die Hoffnung auf den radikalen Neuanfang im gelobten Land. Doch wir Jubeln nicht. Heute an Palmarum. Und Jesus? Wie wird er sich dort oben auf dem Esel gefühlt haben? Heil ihm, rufen sie ihm zu. Heil: Gesundheit, Segen, Frieden. Die Menschen jubeln. Wir nicht. Mitten in der Passionszeit hören wir von dieser puren Freude. Wir können uns allerdings nicht mitfreuen, denn wir wissen: diese Heilrufe enden in den Rufen: „Töten ihn!“.Predigt unserer Vikarin Constanze Lenski am Palmsonntag.

scherfleinDer heutige Sonntag Okuli – übersetzt „Augen“. Gott sieht uns. Jesus sah diese Witwe. Wie sie ihre letzten Münzen in den Opferstock des Tempels tat. Ein Tempel dessen Teil der Mauern und Dächer mit Gold verziert waren, in denen reiche Männer Geld opferten, mit dem man mehr ausrichten konnte, als mit den zwei kleinsten Münzen, die es damals gab. Die Witwe wird es in dem Trubel des Tempels nicht bemerkte haben, dass sie von Jesus beobachtet wurde, dass sie von Jesus gesehen wurde. Witwen gehörten zum Rand der Gesellschaft. Und der Rand wird zumeist nicht gesehen. Doch Jesus sah sie. Und sie sah Gott. Nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Sie vertraute. Okuli. Augen. Wir werden gesehen. Und auch wir sollen sehen, vertrauen – auf ihn. „Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr als sie?“ Hier steht die Predigt unserer Vikarin Constanze Lenski vom Sonntag Okuli 2017.

Sexagesimae 2017 BeerSexagesimae 2017 Thraenitz BeerAlle fernöstlichen Weisheitslehren zielen auf die seelische Ruhe ab, die Loslösung von allen Begierden und Ängsten, von allen weltlichen „Zugmechanismen“, die uns von uns selbst abbringen. Buddha z.B. wird meistens im Lotussitz abgebildet. Sein Leib ist massig, und seine Hände sind zusammengelegt.Die Welt ist Unruhe, der Weise flieht vor ihr in die Meditation. – Jesus würde niemals seine Hände und Hände und Füße zusammenlegen. Er wanderte mit seinen Nachfolgern unablässig durch den staubigen Nahen Orient. “Praxis der Füße”, nannte das der materialistische Bibelexeget Fernando Belo. – Auch in der griechischen und römischen Antike geht es um die ataraxia, die „Unerschütterlichkeit“ oder bei Seneca die tranquillitas animi, die sogenannte „Seelenruhe“. In aller Seelenruhe etwas tun, sagen wir noch heute. Das mag hübsch sein für den Weisen. wenn er sich aus Angst und Panik, aus den Sorgen und Gefahren der Welt heraushält, genauer gesagt, wenn er nach langem Training endlich soweit ist, dass ihn die Schreie der Welt nicht mehr erreichen. Predigt zur Gelassenheit in St. Salvator und in Thränitz. Mit einigen Motiven der Predigt habe ich auch das Wort zum Sonntag Invokavit in der OTZ gestaltet. Hier können Sie es lesen.

Sauermilch 2017Es passieren Dinge, die nicht geplant waren oder die nicht verhindert werden konnten. „Aus heiterem Himmel“, wie wir sagen. Dann wird deutlich: „Wir sind verletzlich!“ „Wir sind sterblich!“ Es wohnt viel Böses unter uns, das manchmal leis aus dem Schlamm die Krallen zieht und zugreift. Unser Leben liegt eben doch nicht allein unserer Hand, und wir können nicht hinter die Kulissen schauen und mal eben gucken, was noch so kommt.- Seriöse Politiker sagen jetzt: „Es gibt keine 100prozentige Sicherheit. Unseriöse: „Jetzt muss unser Sicherheitssystem lückenlos werden. Das geht, wenn wir alle Bedenken beiseiteschieben. Und wenn wir nur hart genug zuschlagen.“ – Was tun?“ - Das ist eine tumultarische Frage. Sie wird meist im Chaos gestellt oder genauer gesagt: Wenn unsere Handlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und wir mit unserer Weisheit am Ende; dann wird gefragt: „Was tun?!“ Hier steht die Predigt vom Altjahresabend 2016.

Spruch des Herrn. Nehmet aber jeder eine Kerze und haltet sie in eurer rechten Hand. Mit der linken Hand schützt die Flamme und gehet hinaus auf die Straßen und Plätze und trotzet der Gewalt von Polizsten undSicherheitsleuten. Spruch des Herrn. Auch wenn man euch angehet und suchet euren Zorn zu reizen, bleibt in Gottes Schutz und weilet in seiner Sanftmut. Und die bewaffneten Männer des Regimes werden euch kein Leid antun. Und die aufgefahrenen Panzer werden stehen bleiben. Und die Wasserwerfer werden trocken bleiben wie das Bett eines Wüstenflusses. Und die Kraft der Ungerechtigkeit werden ihr brechen und wieder frei singen von der Gerechtigkeit des Herrn, der weder schläft noch schlummert, sondern bei denen ist, die seine Gesetze halten.

ie Aufnahme zeigt Teilnehmer der Montagsdemonstration vom 23. Oktober 1989 in Leipzig, fünf Tage nach dem erzwungenen Rücktritt von Erich Honecker. Kerzen werden als Symbol für die Hoffnung auf Gewaltlosigkeit und einen friedlichen Wandel angezündet.

Die Aufnahme zeigt Teilnehmer der Montagsdemonstration vom 23. Oktober 1989 in Leipzig, fünf Tage nach dem erzwungenen Rücktritt von Erich Honecker. Kerzen werden als Symbol für die Hoffnung auf Gewaltlosigkeit und einen friedlichen Wandel angezündet.

Die Geschehnisse des 9. Oktober 1989, auf die diese prophetischen Worte gepasst hätten, waren nicht durch solche Sätze eingeleitet. Der Geist Gottes befand sich offenbar in der Menge selbst und es brauchte keinen Propheten, um das Handeln der Menschen hervorzurufen. Aber hinterher, im Rückblick wurde die unerwarteten, aber doch aktiv erhofften Ereignisse als Gegenwart des göttlichen Geistes gedeutet. Christian Führer, Akteur und Augenzeuge der Demonstration in der Leipziger Innenstadt, schrieb im Rückblick: „Der GEIST JESU der Gewaltlosigkeit erfasste die Massen und wurde zur materiellen, zur friedlichen Gewalt. Armee, Kampfgruppen und Polizei wurden einbezogen, in Gespräche verwickelt, zogen sich zurück. Es war ein Abend im GEIST unseres HERRN JESUS, denn es gab keine Sieger und Besiegten, es triumphierte niemand über den anderen, keiner verlor das Gesicht. Es gab nur das ungeheure Gefühl der Erleichterung.“ Eine Kerze anzünden. - Die Predigt zum 1. Advent steht hier.

himmlischesJerusalemDie Narben, die beim Tollen im Meer entstanden sind oder beim Basteln im Keller, beim Unfall mit dem Skateboard. Ganz zu Schweigen von den seelischen Narben, die Menschen haben, die ein Kind verloren haben, eine Ehefrau, die Oma oder den Opa. Und die Lebensnarben der Menschen, die die Hoffnung aufgegeben haben, in diesem Leben noch einmal Glück zu finden, weil sie keine Arbeit mehr haben, noch sich eine erhoffen, oder weil sie glauben, in ihrer Ehe nun durchhalten zu müssen bis ans Ende und nicht an die Erneuerbarkeit der Liebe glauben, an Menschen, die in einem andauernden Streit leben und nicht glauben, dass sie noch einmal aus den Schützengräben des Hasses heraus steigen können. Unsere Narben, auch unsere seelischen Narben, machen uns aus. Das ist unsere Geschichte. Das sind wir. Predigt vom Ewigkeitssonntag 2016.

Hubertusmesse 2016 Pfarrer singt das Kreuz anGott erwarten, ihn für möglich halten, ihn in unser Jetzt eintreten lassen, ist erst einmal ein Weg aus dem Leben heraus. – Was uns gerade belastet, was in unseren Körpern wie eine elektrische Klingel schrillt, die Not des Augenblicks, der Handlungsalarm, das was nicht ignoriert werden kann. Das lassen wir hinter uns. Denn manchmal sind die Anforderungen des Lebens gerade so unbarmherzig wie das Nahen des Todes. Aber Unerschrockenheit vor dem Tod ist auch eine Unerschrockenheit vor dem Leben. Ob wir nun leben oder sterben, so sind wir des Herrn. – Wer den letzten Widerstand angegangen ist,wer den Gedanken des eigenen Todes aushalten kann, findet auch eine Einstellung zum Leben, die Gelassenheit ermöglicht. Am härtesten Widerstand des Lebens entsteht der Mut zu leben. Wir lassen uns nicht klein kriegen. Wir warten dein, o Gottes Sohn. Hier steht die Predigt von der Hubertusmesse 2016.

Der Schweizer Reformator Huldryh Zwingli mit der Humanistenmütze, die ebenso zu seiner Erscheinung gehörte wie der Priesterrocl.Als Martin Luther in Erfurt studierte, trug er eine Humanistenmütze und war auch sonst gekleidet wie ein Student, der dieser neuen Richtung angehörte. In Erfurt war die humanistische Bewegung kraftvoll. Hier passierte eine Menge. Der Jurastudent Martin Luther interessierte sich für die neuen Gedanken, ging zu den humanistisch inspirierten Lehrern, und er wird dem neuen Geist nahe gestanden haben. Die hohe Stellung des Menschen und der menschlichen Vernunft wird ihm eingeleuchtet haben, denn als Jurist bereitete er sich darauf vor, die menschlichen Dinge einzurichten und gut zu verwalten. Und trotzdem muss die Dunkelheit der Angst unter der modischen Oberfläche gelauert haben. Denn als er eines Tages zu Fuß von Zuhause in die Universitätsstadt zurückging, geriet er bei Stotternheim in ein Gewitter. Und als der ihm in Form eines Lichtstrahls ganz nahe kam, änderte er seinen Sinn. Von den Licht erfüllten Humanisten wechselte er zu den Dunkelmännern der Theologie. Er trat in einen Orden ein, und dort wo die Humanistenmütze gesessen hatte, war nun ein ausrasierter Fleck Haut, die Mönchstonsur. Hier steht meine Predigt zum Reformationstag 2016.

“Da war kein Rat, Hülfe und Trost, bis daß sich dieser einige und ewige Gottessohn unsers Jammers und Elends aus grundloser Güte erbarmete und von Himmel kam, uns zu helfen. Krekel Salvator Fenster Bergpredigt VarianteAlso sind nu jene Tyrannen und Stockmeister alle vertrieben, und ist an ihre Statt getreten Jesus Christus, ein Herr des Lebens, Gerechtigkeit, allen Guts und Seligkeit, und hat uns arme, verlorne Menschen aus der Helle Rachen gerissen, gewonnen, frei gemacht und wiederbracht in des Vaters Huld und Gnade und als sein Eigentumb unter sein Schirm und Schutz genommen, dass er uns regiere durch seine Gerechtigkeit, Weisheit, Gewalt, Leben und Seligkeit.” [Martin Luther. Der Große Katechismus. In: BSLK, S. 651f.] Christus als Herren unserer Seele einsetzen. Das heißt, die Stockmeister vertreiben. Manchmal wissen wir gar nicht, dass wir solche Stockmeister im Nacken sitzen haben. Das sind die Herren und Kräfte, die uns unbarmherzig antreiben. Die Leistungsbereitschaft, das Geltungsbedürfnis, der infantile Hunger nach Liebe, die Bindung an alte Verletzungen und vieles andere, was uns hinterrücks lenkt und bei Ungehorsam den Stock schwingt, so dass unser Selbstwertgefühl sinkt, sich Schuldgefühle einstellen oder gleich die Herzrhythmusstörung oder das Magengeschwür. Hier steht der Rest der Predigt.

Das Christentum ist eine anspruchsvolle Religion. Es führt uns vor die Tore des Himmels. windKinder Gottes – das ist ein Königstitel, Söhne Gottes – das waren im damaligen Denken die Berührungspunkte zwischen Himmel und Erde. Die Könige sind Teile der Welt, aber andererseits auch Teil des Himmels. Nahtstellen zwischen dort und hier. So weit kann einen der Geist Gottes treiben, wenn man nicht mit wehenden Haaren und Schritt für Schritt mühsam gegen ihn ankämpft. Wenn man nicht in eine andere Richtung will. Und was wäre diese andere Richtung? Die Richtung des Fleisches. So nennt es Paulus. Das Fleisch. Was ist das Fleisch? Ich möchte dieser Frage heute einmal nicht ausweichen. Predigt über das Fleisch.

Brandanschlag 2016 mit OffeneKirche SchildMuslime und Christen gingen durch dasselbe dreibogige Portal. Im Inneren des Hofes bogen die einen nach rechts ab, die anderen nach links. Die Christen beteten in der prächtigen Johannes-Basilika, die Muslime im Hof. So war es nach der vernichtenden Niederlage der Christen in Damaskus verhandelt und beschlossen worden. Ab 628 beteten Muslime und Christen mehr als 70 Jahre lang gemeinsam in der Grabeskirche des Täufers Johannes, der in beiden Religionen als großer Prophet gilt und verehrt wird. Erst 705 ließ dann der neu angetretene Kalif Al-Walid I. die Christen entschädigen und baute eine neue Moschee nach dem Vorbilde Konstantinopels. Die Grundmauern des alten Baus blieben jedoch stehen, und noch heute ist über dem alten – zugemauerten – Südportal die Inschrift zu lesen: „Dein Reich, Jesus Christus, ist ein Reich der Ewigkeit.“ – Diese Predigt wurde nicht gehalten, weil ein Brandanschlag auf die Salvatorkirche ausgeübt wurde und die Polizei die Nutzung der Kirche für diesen Morgen untersagte. Hier können Sie das Predigtmanuskript nachlesen.

Hesse theatergottesdienst Arche GottDer Pinguin im Kühlschrank hat gar kein anderes Konzept von Gott. Er will aber die Taube überzeugen, dass er Gott ist, damit er nicht erwischt wird. Und so führt eins zum anderen.Und plötzlich ist Gott einer, der freundlich ist, der schnell verzeiht, der Fehler macht, sie zugeben kann und sie wieder gut machen will, der Gott der nicht zur Liebe zwingt, sondern sie freiwillig geschenkt haben möchte, der Gott, der den Menschen nachgeht und sie zu gewinnen sucht. Der Pinguin in Not denkt sich im Grunde den Gott aus, den Jesus beschrieben hat. – Oder war Jesus auch in Not, als er sich Gott ausgedacht hat.

Hesse theatergottesdienst Arche PinguinDas klingt eigenartig: „Sich Gott ausdenken“. Aber genau das tun die Menschen. Sie versuchen Schritt zu halten. sie versuchen, Gott hinterher zu kommen. Sie versuchen, sein Wesen zu verstehen. Sie versuchen, Gott besser zu beschreiben, als so, wie er eben zu sein scheint,die Rache-, Vergeltungs- und Gerechtigkeitsmaschine, die genau das tut, was man entweder wünscht oder fürchtet, und so wie ein Reflex dem eigenen guten oder schlechten Gewissen folgt. – Jesus hat Gott neu erfunden. Freilich indem er in der Bibel gelesen hat, der Bibel  des Volkes Israel, unser Altes Testament. Zum Beispiel auch die Noah-Geschichte, die eben eigentlich eine Geschichte der Gnade, der unverdienten Gnade sogar ist. - Hier steht die Predigt aus dem Theater-Gottesdienst zur Inszenierung “An der Arche um Acht” des Puppentheaters Gera.

parshipDie Hochzeit eines Freundes. Zu Anfang wird dieses Spiel gespielt, bei dem man aufstehen muss, wenn etwas auf einen zutrifft. Wer stammt aus einem Pfarrhaus? Wer ist schon über 40? Wer war schon mal in Thailand? Wer besitzt kein Auto? Und dann plötzlich: Wer kennt mich aus dem Internet? Die Mehrheit der Gäste steht auf. Dieser Mann hatte seine Ehepartnerin im Internet gefunden und sich einen Spaß daraus gemacht, aller Vorgängerinnen seiner Frau mit ihren Partnern einzuladen. Dies Bildnis ist bezaubernd schön, wie noch kein Auge je gesehn. Ich fühl’ es, wie dies Götterbild mein Herz mit neuer Regung füllt. Ich vermute, diese Erfahrung ist heute alltäglich. Alle die bei parship.de oder Elitepartner unterwegs sind, sehen Bilder von Menschen, die sie berühren und beginnen ein Gespräch mit einem Fremden im virtuellen Raum. Wenn sie sich zum ersten Mal sehen, sind sie wahnsinnig aufgeregt, denn eigentlich kennen sie sich schon sehr gut. Die Liebe ist schon da. Nur das Wesentliche fehlt noch: Wie reagiere ich auf den Körper, der vor mir steht? Früher war das anders, viel weniger keusch. Da haben sich die Paare in der Quisisana oder dem Winter- oder Palmgarten kennengelernt, und bevor man miteinander sprach, achtete man darauf, ob die Körper im Tanzrhythmus miteinander können. Predigt über Christus, den ihr nicht seht, aber doch liebt.

Auge Salvator Engel Gnade

Relief des Versöhnungsengels über den Ostfenstern der Salvatorkirche

Das Wort der Versöhnung steht zwischen uns. Und es führt uns zusammen. Die neue Schöpfung entsteht da, wo es zu wirken beginnt. Dann passen wir nicht mehr in die Welt, die sterbliche, in der ein Wort das andere gibt und das Gefälle Richtung Abgrund geht. Wir ragen heraus aus dieser Welt und stehen quer zu ihr. Wir sind Botschafter geworden. Botschafter der Erneuerungsfähigkeit der Welt. Es geht nicht darum, was wir sagen. Es geht nicht um die Worte, die wir finden. Es geht um das Wort in unserer Mitte. Es geht darum, so zu leben, dass die neue Welt, die in uns anbricht, sichtbar wird. Wir müssen nicht darüber nachdenken, was wir schaffen, wir müssen nur die Erleichterung, die wir spüren, einatmen und ausatmen. Hier steht die Predigt vom Karfreitag 2016.

Salvator innen Totale klein

Der Pfarrer schlug die Hände zusammen. »Auch die in dem Götzentempel!« rief er. »O, wie gehet der Teufel umher und suchet mit List, wen er verschlinge!« Er machte eine Pause und fragte dann so ruhig wie vorher: »Und was bewog dich, einen konfirmierten evangelischen Christen, die Zeremonien der Römischen mit anzusehen? Um Gotteswillen, hast du denn gar nicht an deine Seele gedacht, die dabei verloren gehen konnte?« Es lag ein solcher Schmerz in diesem Ausrufe des Greises, dass Ewald erschüttert wurde. Er sank auf einen Stuhl, barg das Gesicht in die Hände und brach in Tränen aus. (…) »Zuerst war ich neugierig,« erwiderte Ewald, sich mühsam fassend. »Und dann?« fragte der Pfarrer mit einem tiefen Atemzuge. »Ach, sie singen dort so schön!« brachte Ewald unter erneutem Schluchzen heraus. »Und es ist alles so bunt und so halbdunkel und so feierlich. Es war gar nicht wie in einer Kirche. Gepredigt wurde auch nicht. Aber die Lieder waren so rührend.« Predigt darüber, warum wir Protestanten auf vernünftige Gottesdienste stehen.

buechnerAber all dies wird es geben. Die Angst vor der Zukunft, die Wunden der Vergangenheit, die Verletzungen, die uns andere Menschen zufügen, die Verletzungen, die wir anderen Menschen zufügen, aber auch die des grausamen Zufalls und auch die, die wir uns selbst beibringen. Es wird den Druck der Schuld geben, die Sachen, die wir uns nicht verzeihen können, es wird die schlaflosen Nächte geben, die Atemnot und den Gelenkschmerz. Es wird das ganze Leben geben, mit seinen unkontrollierbaren Ausschlägen nach oben und nach unten. Gott schützt uns weder vor uns selbst, noch vor den anderen, noch vor des Schicksals wütenden Attacken. Und trotzdem gilt der eigenartige Satz: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? – Er klingt so kämpferisch, als sei er auf einen Uniformkragen genäht und schickte uns in den Kampf.Hier steht unsere Predigt für den Altjahresabend. Außerdem wurde sie bei evangelisch.de im Netz publiziert.

karneol

Der Stein ist ein Karneol.

Ich bin überzeugt davon,dass diese adventliche Zärtlichkeit, die das Geheimnis zwischen uns leben lässt und für wirklich nimmt, uns zu Menschen macht, die unter dem Kreuz leben: aufrecht und liebevoll, auf einander achtend, nicht richtend vor der Zeit. So wird Gottes Gnade schon heute und jetzt zwischen uns sichtbar. Geheimnisvoll und mit der Milde dieses Königs, der zu Weihnachten in unser Herz einziehen will. Predigt am 3. Advent.

Logo LutherdekadeUnsere Seele ist keine Festung. Leicht wird sie eingenommen, wenn das Wort Gottes uns nahe kommt! – Unserer Seele ist keine Festung. Leicht wird sie eingenommen, wenn der Schmutz des Alltags uns auf den Leib rückt. – Unsere Seele ist keine Festung. Leicht wird sie eingenommen, wenn Gott sie nimmt und uns zu seligen Traurigen und zu auserwählten Tätern des Wortes macht. Hier steht die Predigt vom Reformationstag.

 

“Vom Schrei nach Frieden ist hier die Luft ganz schwer.” -  So dichtete André Heller nach einer großen Friedensdemonstration, bei der er Lieder vorgetragen hatte. Es hat wirklich etwas Eigenartiges, den Frieden lautstark zu fordern, wie wir es damals taten. Jesus preist die Friedensstifter glücklich und meint micha 4 3offenbar solche Menschen, die ihn vorweg nehmen, ihn stückchenweise realisieren, vielleicht auch dadurch am großen Frieden arbeiten. “Ein bisschen Frieden” sozusagen. Aber das klingt nun auch nicht gerade aufregend. Unser Gottesdienst zur siebten Seligpreisung “Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes heißen!” jagte dem Frieden weder nach, noch wollte er ihn ergreifen. Wenn es gut läuft, dachten wir, wird er eintreten. Es war Musik von Felix Mendelssohn (‘Grant us thy peace’), Hugo Distler, Albert Becker, Antonio Scandello und Johann Hermann Schein zu hören. Il giardino delle gioe gastierten in der Besetzung: Clarissa & Leonore Thiem, Laura Butters, Elisa Steingrüber, Paul Stark, Claudius Uhlig und Pascal Salzmann. Hier steht die Predigt.

Logo GLUECKDurch die Welt zu gehen, mit verwundetem Herzen manchmal, mit dem immer wieder gebrochenen Vorsatz, Gutes zu tun und saubere Hände zu behalten, die Art sauberer Hände, die nicht vom Händewaschen kommt. Manchmal feige zu sein, aber auch nicht so feige, dass wir hinterhältig werden, weil wir nichts Hartes mehr aussprechen. Verzweifelt zu sein, aber auf ewigem Grund. Ich bin überzeugt, dass ist auch ein Weg zum Glück: Den Erdenrest zu tragen schwer, gelassen annehmen und dann die Asche im Herzen langsam verwandeln in Goldstaub, der davon fliegt, wenn Gott hinein bläst. Sich die Hände schmutzig zu machen, um unschuldige Hände zu behalten, sich das Herz brechen zu lassen, damit es eines Tages rein werde. Predigt zur sechsten Seligpreisung.

van Gogh AehrenWas für ein Bild! Eine Gruppe junger Männer geht durch ein Kornfeld. Es ist der Schöpfungstag. Alles steht still. So wie Gott am siebenten Tage geruht hat, ruhen die Schöpfung, die Gesellschaft, die Menschen aus. So war es Brauch in Israel. Und Jesus, der mit seinen Jüngern unterwegs war, lässt es ruhig angehen. Einige unterhalten sich, andere lachen, wieder andere haben sich ein paar Ähren gepflückt, pulen die Körner heraus und stecken sie sich in den Mund. Es ist mehr ein Naschen als ein Nahrung zu sich nehmen, obwohl – wenn man eine Lebensform gewählt hat, in der man auf die Barmherzigkeit der Mitmenschen angewiesen ist, ist es vielleicht nicht schlecht, wenn man dem Körper immer mal etwas Brennstoff zuführt. Irgendwie gehört es zum Habitus eines Wanderpredigers, Beeren zu pflücken oder Kornähren zu raufen, von der Natur leben, wo sie etwas gibt. Mühelose Nahrung vom Wegesrand! Ährennaschen am Sabbat, ein Bild des Friedens! Hier steht die Predigt aus dem fünften Glücksgottesdienst zum Thema Barmherzigkeit. Hier finden Sie mehr zur Predigtreihe der Glücksgottesdienste.

TempelreinigungZorn, liebe Gemeinde, hat sie nie gekannt. Denn sie wuchs bei ihrer Mutter auf. Und die war streng religiös. Es fiel kein böses Wort. Aber unterschwellig war alles da. Unbarmherzig wurde sie von ihrer Mutter angesehen. Und sie fühlte sich immer irgendwie schuldig. Nicht ordentlich genug. nicht sanftmütig genug, nicht sauber genug. Als sie eine junge Frau zu werden begann, ging es dann gar nicht mehr. Sie spürte, wie die Sexualität, die sich in ihr regte, von ihrer Mutter missbilligt, ja gehasst wurde. Und plötzlich flogen Sachen durch die Gegend, Schränke fielen um, Glühbirnen zerplatzten. So erzählt es Stephen King in seinem ersten Roman Carrie und findet darin ein Bild dafür, was mit dem unterdrückten Zorn in uns geschieht. Predigt zum Israel-Sonntag.

Logo GLUECKWir Menschen sind Verbundene, verbunden mit den anderen, verbunden mit den Verhältnissen, verbunden mit der eigenen Vergangenheit, mit den eigene Wunden auch. Verbundene sind wir. Und deswegen kann der Satz Selig sind die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden nicht heißen, dass wir uns absondern, absondern von der Versorgungslage der Menschen, unseres Nächsten, mit dem Brot der Gerechtigkeit. Es gehört zu unserem Leben, zu unserer empfindlichen Haut, wenn ein Mensch neben uns leidet. Und wir können eben nicht vorbeigehen, wie der Priester oder der Levit, weil wir gewohnt sind, uns sauber zu halten. Predigt zur vierten Seligpreisung.

Lippoldsberger Taufstein: Jesus im Lehrgespräch mit Nikodemus (Joh 3)

Lippoldsberger Taufstein: Jesus im Lehrgespräch mit Nikodemus (Joh 3)

Das Rätsel hatte sich wie von selbst in ihm gelöst. Dieser Mann verstand es wohl, jedem einzelnen sein Rätsel zu stellen, es in die Menschen so hinein zu legen, dass es sich nach und nach von selbst entfaltete. Geheimnisvoll hatte er gesprochen. Aber dieses Geheimnis hatte er gebraucht, damit der Geist in ihm zu wehen begann. Nun trieb er seine Gedanken vor sich her und Nikodemus spürte, weil alles begann, anders auszusehen, wenn er darauf blickte. Die Welt hatte begonnen, sich zu erneuern. Vor seinen Augen, in seinem Körper. Im erdgrauen Gewand schritt er dahin, und als er die Tür seines Hauses öffnete, begannen die Wehen. Erzählpredigt zu Nikodemus.

bartleby-shirtIch glaube, dass es Sanftmut ohne Gott gar nicht gibt. Ohne Gott ist versuchte Sanftmut nur entweder ein Speichern von Aggressionen oder eine Kultivierung von Hinterlist. Sanftmütig sein und doch die Erde besitzen, geerdet sein also, übersetze ich mir, das geht nur in einer Welt, in der wir an einen Sinn glauben, in der „näher zu Gott“ wichtiger ist als zurückzuschlagen, in der wir es vermögen, die Rache dem Himmel zu überlassen, Gott. Hier steht die Predigt vom dritten Glücksgottesdienst

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„Ich kann nicht klagen!“, sagt man bezeichnender Weise. Und die Schicht zwischen dem Vorsatz, glücklich zu sein und der Traurigkeit, die sich darunter schon bewegt, wird immer dünner. Manchmal müssen wir durch den Keller der Seele gehen, um erst später wieder auf die Sonnen-Terrasse des Gemüts treten zu können. Pausenlose Fröhlichkeit ist keinem von gegeben oder verheißen. Selig sind die Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. [Mt 5, 4] Das heißt auch: Selig sind die, die wissen, wann es an der Zeit ist, traurig zu sein. Denn nur sie erleben wiederkehrendes Glück. Hier steht die ganze Predigt.

Der ungläubige Thomas auf dem Altar von St. Marien

Wir erkennen ihn an seinen Verletzungen, und er erkennt uns an unseren Verletzungen. Er reißt uns aus den Ängsten kraft seiner Angst und Pein. Er sagt: „Friede sei mit euch!“, und es geschieht, dass wir seine Stimme hören. Wir haben ihm nicht den Esel gesattelt, aber wir haben ihn einreiten sehen. Wir haben nicht mit ihm Lamm gegessen, aber wir teilen Brot und Wein. Wir haben uns eingeschlossen, und er erscheint mitten unter uns. Wir kennen ihn wieder. Heute, wenn wir seine Stimme hören. Predigt über den Jünger Thomas, der es sich eben nicht so leicht macht mit seinem Glauben.

Béela Müller – in der Rolle der Küsterin – wäscht.

Die Sünde ist, das sagen uns die Religionswissen-schaftler, ursprünglich ein Fleck, ein Fleck auf einem Gewand etwa. Und der Fleck muss weg. Alles muss wieder sauber werden. Hygiene als Sünden-bekämpfung. Ich vermute, die größten Missetaten der Geschichte sind von Menschen begangen worden, die saubermachen wollten. Unreine Elemente ausscheiden. Undeutliche Verhältnisse klären. Den Dreck wegmachen, ausmerzen am liebsten für immer. Unaufhörlich putzt die Küsterin vor dem Altar und schließlich entscheidet sie sich, den größten Schandfleck wegzumachen, das Kind. Und nun lässt sie den Lappen liegen und greift zu Gott. Wie fast alle Figuren in dieser Oper benutzt sie unaufhörlich Gott, um ihr Handeln zu rechtfertigen. “Gott selbst weiß selber am besten, dass es so geschehen muss.” So singt sie. Und dieser Satz ist ungeheuerlich. Das ist auch noch mal ein geistliches Ausblasen der Osterkerze. Diese brennt, weil Gott am Leben festhält. Predigt zur Vergebung angesichts der Oper Jenufa.

Osterkerze in Thieschitz auf einem Zweimannstein, den einer allein nicht wegheben kann.

Und doch sind die Frauen entsetzt. Was ist das für ein Gefühl, Entsetzen? Es ist Furcht darin. Das wird gesagt. Furcht vor der übernatürlichen Erscheinung. Der Engel mit dem glänzenden Gewand. Und auch die Leere. Die Leere macht Angst. Die Binden, die da noch liegen. Hinweis auf einen Toten, der umhergeht, einen Zombie sozusagen. So würde man heute einen wandelnden Toten nennen, von dem Gefahr ausgeht. Und diese Leere dort, wo sie den Tod vermuteten. Horor vacui. Die Leere zieht an ihren Köpfen und Herzen.Die Leere macht Ihnen klar, dass sie etwas begreifen sollen, aber was? Hier steht meine Osterpredigt.

Der Reileck-Kunst-Kiosk in Halle in diesen Tagen. Die 31jährige Künstlerin, die ihn initiierte und gestaltete saß im Flugzeug.

Der Reileck-Kunst-Kiosk in Halle in diesen Tagen. Die 31jährige Künstlerin, die ihn initiierte und gestaltete saß im Flugzeug.

Wie soll man denn das Unfassbare fassen? Welche Worte kann man denn finden, wenn etwas so Furchtbares geschieht? Und wenn alles, was man in den Zeitungen lesen und in den Nachrichten hören muss, es nur noch schlimmer macht? Dann bleibt einem der Jubel im Hals stecken und der Freudenruf wird zum Klageschrei: Herr, wärest Du doch hier gewesen, er wäre nicht gestorben. Und Jesus gehen die Augen über, in unserer Welt, die so oft so furchtbar ist, in unserer Not, im Wartesaal des Flughafens, wo er neben den Menschen sitzt und umsonst wartet. Hosianna, komm Doch. Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit Deines Lichtes Fülle; dass nicht nur Angst und Not und Schmerz Deine Wahrheit uns verhülle, die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht. So singen wir. Und im Evangelium hören wir: Fürchte Dich nicht, Du Tochter Zion! Siehe, Dein König kommt. Predigt von Ferenc Herzig am Palmsonntag.

Wem es am Nötigsten fehlt, der ist von dieser Armut manchmal weit entfernt. Denn fragt uns einer: Muss man arm sein, um glücklich zu sein? Müssen wir antworten: Nein, arm werden. Logo GLUECKDie große Sehnsucht der geistlichen Tränen, der geistlichen Armut, widerspricht dem nicht. Wer geistlich arm wird, hält sein Leben offen. Er beruhigt es nicht mit den Genüssen, die bereitstehen. Er vermag die große Erwartung aufrecht zu erhalten, und derweil das Glück in den kleinen Dingen zu finden, in den glücklichen Momenten, den einfachen Tätigkeiten wie ich sie hier schon eine Weile durch meine Predigt ziehen lasse. Den Augenblicken, in denen man eins mit sich ist und der Welt und mit Gott, der uns dieses Leben geschenkt hat. Das Glück ist bei den geistlich Armen.

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Gera-Liebschwitz

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Gera-Liebschwitz

Der HErr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben, hilft er. [Psalm 34, 19] – Was ist eigentlich ein zerschlagenes Gemüt? Wenn ich noch einmal den Schlüssel „psychische Krankheiten“ in die Hand nehme, sind wir unserer Wirklichkeit plötzlich schrecklich nahe. Denn hier geht es wohl um eine „Traumatisierung“. also eine Gewalteinwirkung, die die Seele, die Identität eines Menschen zerbricht, um ein zerschlagenes Gemüt eben. Frühe Schädigungen beeinträchtigen die Entwicklung eines Lebens. Die einmal erlebte Gewalt wird nicht vergessen, sondern bleibt eine unauslöschliche Spur, die Heilungsprozesse systematisch verhindert. Kinder, die missbraucht werden, Kinder, die Gewalt erleiden, Kinder, die nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen, nur eine verachtungsvolle Gleichgültigkeit, die entsteht, wenn Eltern zu beschäftigt sind oder selbst noch unfertig oder eben traumatisiert. Predigt über unsere und Gottes Augen.

Das einfach mal versuchen: Steine nicht in Brot verwandeln, sich erinnern an das, was richtig ist, was trägt und stützt und wärmt, wenn die Seele friert. Predigt von Ferenc Herzig am Sonntag der Versuchung. – Jesus erneuert unser Bild von Gott. Er nimmt die Willkür hinaus, das Potentatenhafte, das Gewaltherrschermäßige. SteinwuesteGottes Kraft fließt. Sie erneuert die Welt. Aber sie erleidet auch Gewalt. Wie Jesus am Kreuz. Und sie überwindet die Gewalt. Wie Jesus, der sein Grab verlässt und Maria Magdalene neckt. Die Kraft Gottes ist anders, als wir sie erwarten. Nur in den Versuchungen des Teufels gleicht sie unseren Machtphantasien. Gott allein dienen heißt, sich auf ihn allein verlassen. Und wie heißt es im Psalm? “Wohl denen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln. Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott” [Psalm 84, 6. 8]. Predigt über Versuchungen in Steinwüsten (und außerhalb).Gaasch Fenster Bergpredigt

Sich den spöttischen Blick abgewöhnen. Mehr die Chancen sehen als die Probleme. Einen Außenseiter in die Whatsapp-Liste aufnehmen, damit er erfährt, was in der Klasse läuft. Jemandem zuwinken, den man eigentlich nicht mehr sehen kann. Einer zuhören, die unerträglich vor sich hinquasselt, solange bis sie aufhört zu reden. Wir sind umgeben von Ebenbildern Gottes, Sie können sie leuchten sehen! Wenn Sie sie mit Liebe anblicken. Predigt über das Fasten am Aschermittwoch 2015. [Das Bergpredigt-Fenster der Salvatorkirche neben diesem Text können Sie großklicken. Sie finden es auch in der Datei mit der Predigt.]

Vor diesem Jesus stehen die Jünger, ratlos, Petrus spricht nur aus, was sie alle empfinden. Und dann geht Jesus in die Öffentlichkeit. Und nun stehen wir vor ihm, ratlos wie eine Herde Nashörner. nashornGrau und dick ist unsere Haut. Und wir fressen den ganzen Tag. Wir haben kaum Zeit für etwas anderes. Unser Leben ist geregelt. Zwischen ihm und uns Blumenrabatten, ein kleiner Zaun und ein Abgrund, auf dessen Boden schwarze Pfützen stehen. Was haben wir zu verlieren? – Das Leben. Was haben wir zu gewinnen? Das Leben. – Und er redete das Wort frei und offen. Predigt am Sonntag Estomiihi in St. Salvator und zu meiner Einführung in Untermhaus.

Geduld ist das Stichwort, Zeit investieren, habe ich es eben genannt. Wachstum braucht Zeit. Und unsre Aktivität ist dabei begrenzt. Matthias Claudius' Grabkreuz in Hamburg-WandsbekErinnern sie sich an das Erntedanklied: “Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land,/doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:/der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf/ und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf. Hier sind unsere Aktivitäten – pflügen und streuen – und die Gottes: „träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.“ wunderbar einfach auseinandergelegt. Predigt über das Gleichnis von der viererlei Saat.

Zinzendorf hält 1747 eine Predigt von den Wunden-Schatten. Was ist das? Im Hohelied der Liebe verlangt die Geliebte, im Schatten ihres Geliebten zu sitzen. „Im Schatten zu sitzen“, was das heißt, das verstehen wir, wenn wir an die Arbeit in der sengenden Sonne denken. Im Hohelied der Liebe heißt es: „Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Geliebter unter den Burschen. Mich verlangt, in seinem Schatten zu sitzen, und seine Frucht ist meinem Gaumen so süß.“ Hören wir Zinzendorf, wie er von des Heilands Wunden-Schatten spricht, die uns vor der sengenden Sonne der Sünden behüten und vor den Selbstvorwürfen in Schutz nehmen. Predigt im gemeinsamen Gottesdienst der Stadtgemeinde in St. Trinitatis am Sonntag Septuagesimae.

Übermenschen in Aktion: Edward und Bella aus der Twilight.Tetralogie.

Jesus geht seinen Weg, und er wird verklärt, vorweg genommen in die Herrlichkeit, vorweg genommen in ein Haus aus Licht, und das genau in dem Moment, als er kommen spürt,was ihn töten wird, sein Kreuz. – Und umgekehrt, nachdem er lange und ich stelle mir vor: schmerzhaft, gesucht hat und er seinen Weg fand und veröffentlichte, da wurde er im Gebet Gottes inne und er fand Gewissheit über seinen Weg, seinen Weg in den Schmerz, aber seine Gottessohnschaft auch. Als das Licht kam, konnte er erleben, dass das Leid, das auf ihn zukam, nicht das letzte sein würde. Da stand er mit seinem lebendigen Haar und seiner atmenden Haut und fasste seine Jünger an. die auf dem Boden lagen, und er sagte: „Steht auf, habt keine Angst!“ Predigt zum Fest der Verklärung.

Die Lenden umgürtet, die brennenden Lichter in der Hand, auf den Herrn wartend, der jeden Moment kommen kann. Das ist eine Haltung, mit der wir ins neue Jahr gehen können. BankEs ist eine Haltung, die uns lehrt, dass Aufbrüche zum Leben gehören und plötzliche Besuche, Träume auch und Eingebungen. Was heißt „Wachen“ heute? – Erinnern wir uns an das Passa-Fest! Ein Lamm wird gegessen mit gegürteten Lenden, bereit zum Aufbruch, auch mitten in der Nacht! Ihr sollt es essen als die, die hinweg eilen. So steht es in der Bibel, und so sollen wir auf unser Leben sehen. Nichts gegen Gemütlichkeit, aber Jesus plädiert für ein Leben, dass damit rechnet, noch einmal aufzubrechen. Predigt am Altjahresabend 2014.

Simeon und Hanna sind gute Juden. Sie warten auf den Trost Israels, den Messias, der das Volk Hanna und Simeonvon seiner elenden Existenz unter dem Joch der Römervund in der religiösen Vielgötterei befreien sollte. Aber die beiden alten Leute begrüßen nicht nur den Messias. Wenn sie vom Heil für die Völker und von der Erleuchtung der Heiden sprechen, sprechen sie von uns. Sie begrüßen uns. Bisher war die Geburt des Messias eine innerjüdische Angelegenheit. Maria und Zacharias erwähnen uns in ihren Lobgesängen nicht. Bisher war es eine Geschichte zwischen Gott und seinem Volk. Und ausgerechnet hier im Tempel, ausgerechnet die beiden alten Wächtern ihres Volkes, zwei Menschen, auf denen der heilige Geist ruht, wie es über Simeon ausdrücklich gesagt wird, ausgerechnet diese beiden begrüßen uns, die Völker. Predigt über Hanna und Simeon, zwei Menschen, die ihr ganzes Leben lang gewartet haben.

Krippe RembrandtJesus leuchtet. Und das Stroh in seiner Krippe schimmert sachte, als hätte das himmlische Licht es beim Hinübergleiten zu Gold gemacht. So hat wohl auch das Stroh ausgesehen, das Rumpelstilzchen für die schöne Müllerstochter zu Gold gesponnen hat. Maria und Joseph und ein Hirt mit struppigem Barte beugen sich über das Kind. Ihre Gesichter sind beleuchtet und hinter ihnen ist die Nacht umso schwärzer. Die einzige Lichtquelle ist das Kind. Es erhellt nicht den schwarzen Stall, aber die Gesichter derer, die sich über ihn beugen. Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht angenommen. Predigt am 1. Weihnachtstag.

Kein Zweifel: die Krippe ist aus dem Holz unserer Welt geschnitzt. Und die Not vor der Krippe ist der Stoff, aus dem die Erzählungen dieser Welt sind. Und doch: Halt! Die Erzählungen dieser Welt sind auch voll von ganz anderen Dingen!StSalvator Krippe 2014 Die Weihnachtsgeschichte ist aus dem Stoff dieser Welt und gibt dieser Welt gleichzeitig einen anderen Schein. Sie erzählt von himmlischen Heerscharen, die plötzlich hinter dem Verkündigungsengel auftauchen. Erzählt vom Glanz des Himmels, der sich im Glanz des Feuers spiegelt. Im Griechischen übrigens dasselbe Wort. Die Weihnachtsgeschichte erzählt von einem neuen Lebensgefühl bei den Hirten. Sie, eher Außenseiter, bekommen eine Aufgabe, die sie mitten hinein ins Weihnachtsgeschehen führt. Predigt am Heiligen Abend 2014.

Maria BuchMaria nennt sich niedrig. Aber dann singt sie triumphierend, dass Gott eben auf der Seite der Niedrigen ist, dass niedrig sein heißt, an seiner Seite sein und hochmütig sein heißt, sich von ihm entfernen. Die Worte, die ihr in den Sinn kommen, sind alles Verse aus der Hebräischen Bibel. Alles, was aus ihr heraussprudelt, hat sie gelesen oder gehört. Nicht umsonst zeigen sie die meisten alten Bilder über ein Buch gebeugt, wenn der Engel sie besucht. Maria wird vom Engel beim Lesen gestört. Sie liest möglicherweise gerade Jesaja 7, 14: ‘Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.’ Aber sie liest eben nicht nur das. Sie liest wohl auch die Fülle der Prophezeiungen, die davon sprechen, dass die Reichen leer ausgehen und die Hochmütigen gedemütigt werden. Predigt über Maria und große Gefühle.

Die Schutzlosen Frau lachend nah Irgendwie hat es die Öffentliche Meinung in Deutschland geschafft, zwischen anständigen und unanständigen Flüchtlingen zu unterscheiden. Die anständigen kommen aus politischen Gründen, die unanständigen weil sie Hunger haben. Als ob Hunger nicht politisch wäre. Und auch der Hunger auf ein Leben in Würde, der Hunger auf ein Leben, das nicht bedroht ist, der Hunger nach dem Ende der Hoffnungslosigkeit sind politisch. Dies alles ist anständiger Hunger. Predigt im Theater-Gottesdienst zu “Die Schutzlosen”.

interstellarDie große Katastrophe wird hier erwartet, Hitze, Beben, Erschütterung. Gar nicht so unrealistisch das alles. Die großen apokalyptischen Filme machen uns vor, wie das geht: Harmageddon, Independent Day und ganz neu in den Kinos der philosophisch-theologische Weltraum-Thriller: Interstellar. Menschen versuchen in diesen Filmen, die Katastrophe aufzuhalten. Und durch Mut und Wissenschaft und im Film Interstellar auch durch die Hilfe Gottes gelingt es meist, die Welt oder wenigstens die Menschen zu retten. Predigt am Ewigkeitssonntag.

Hubertusmesse 2014 Gebet Segen von Sakristei hochGerade an Sonn- und Feiertagen, den Tagen des Herrn, begann er besonders eifrig zu jagen: Er hetzte mit seinem Jagdgefolge und seiner Hundemeute durch die Menge der Kirchgänger. Keine Bitte der Menschen vermochte es, Hubertus, den wilden Jäger, wie sie ihn nannten, wieder auf den rechten Weg zu bringen. (…) Und der wilde Jäger, von dem wir eingangs gehört haben? Hubertus, der später Bischof wurde? Auch er sieht ein Kreuz. Und im Kreuz seine Schuld. Und die Vergebung. Dieses Kreuz zwischen den Stangen des Geweihs, gibt ihm die Möglichkeit, selbst das zu tun, was kein Mensch vermochte, wie die Legende erzählt, ihn zu überzeugen, sein falsches Leben hinter sich zu lassen und ein gutes zu beginnen. Predigt zur Hubertusmesse.

Koerperschrift VarianteLiebe Gemeinde, stellen Sie sich vor: Wir sind Briefe. Und unsre Herzen sind Schrifttafeln, ganz vollgeschrieben mit Geistestinte. Wenn wir einander begegnen, können wir unsere Herzen lesen. Wenn wir tief in uns hineinschauen, stoßen wir auf Schrift. Und beim Entziffern unseres Herzens merken wir: Es ist ein Brief an andere, mit dem die fleischernen Tafeln unsres Herzens beschriftet sind. Und selbst der Autor ist ein anderer. Nicht wir selbst haben uns beschrieben. Wir sind nicht die Verfasser unserer eigenen Herzensschrift. (…) Lasst euer Herz leuchten und seid euch bewusst, dass ihr den Geruch des Lebens ausstrahlt, wenn ihr unter die Leute geht. Ihr seid ein Brief Gottes, an alle die euch lesen! Amen. Predigt zu 2. Kor 3, 3: “Ihr seid ein Brief”.

Cranach-Detail-MosesAuf den kindlichen Rückfall in die Anbetung eines toten Götzenbildes antwortet Gott mit der Zumutung von noch mehr Autonomie. Gott hält sich zurück. Weder Mose noch das Volk kann Gott sehen, festhalten, haben. Dass Mose in der Mitte geht, muss genügen. Gott traut dem Mose zu, das Volk zu führen, und Gott traut dem Volk zu, in Moses Führung und in seiner eigenen wunderbaren Geschichte Gottes Führung zu erkennen. Wieso eigentlich? Was ist anders geworden? Hat sich das Volk, hat sich der Mensch geändert? Predigt am 19. Sonntag nach Trinitatis von Uli Kiethe.

Grundbegriffe des Christentums Barmherziger Gott, hier stehen mit unseren Verletzungen und der Erinnerung unsere glücklichen Momente. Wir denken an die Menschen im Opferland, die grimmig mit sich selbst umgehen und hart und den anderen Menschen sind. Lass sie spüren, dass du ihr Gott bist und du sie verwandeln willst. Du kennst uns, besser als wir uns selbst. Bewege uns, verwandle uns, lass uns aufstehen! Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Predigt über die (Schwierigkeiten mit der) Vergebung.

See GenezarethEr lässt eine Seite in den Menschen klingen, die es vorher noch nicht gab, die vorher noch nicht geschwungen hat. Er lässt etwas herauf steigen, von dem wir nicht wussten, dass es das in uns gab. So ausgefischt wir uns manchmal fühlen. Es kommen doch noch Fische von unten herauf, von denen wir nichts ahnten. So müde wir manchmal sind.Es kommen doch Kräfte von irgendwo her, so dass wir weiterleben können. Predigt über einen Mann, der Menschenfischer werden soll.

01 Fischölstein AltarWir danken dir, Gott, für die Farben! Für das Blond und Braun, das Schwarz und Grau unserer Haare, das Rot der Himbeeren und das tausendfache Grün der Blätter, für die goldene Farbe des Honigs und das Blau des Himmels. Dank sei dir, Gott, für die zart gezeichneten Flügel der Schmetterlinge, das schwarze Kleid der Krähen und die bunten Mützen der Kinder. Wir stehen gerührt vor der Vielfalt deiner bunten Welt und danken dir, dass auch wir dazugehören – in´s bunte Bild der Schöpfung. Amen. Predigt zum Erntedank 2014.

Einen Engel erkennt man erst, wenn er vorübergegangen ist. Wenn ich Sie frage, wann Sie einem Engel begegnet sind und Sie anfangen zu erzählen, dann würden wir ganz verschiedene Geschichten hören. Engel im Tympanon der Kathedrale zu autunAutunUnd genauso verschieden sind die Engelsbegegnungen in der Bibel. Gehen wir an Ihnen entlang, um zu verstehen, warum die Engel mal so flüchtig sind und dann wieder unausweichlich. Beginnen wir fast am Anfang. Setzen wir uns mit Abraham unten einen Baum. Hier war der Ort, an dem er über Gott nachdachte, wenn er eine freie Stunde hatte. Und eines Tages geschah genau das: Hier geht es weiter.

John-Green-Schicksal-Schriftzug„Ich sehe aus wie ein Weihnachtsbaum!“ Das sagt der siebzehnjährige Augustus Waters. Das klingt lustig. Aber er meint damit das Ergebnis einer Krebsuntersuchung. Alle Tumorzellen leuchten auf dem Bildschirm. Und er sieht aus wie ein Weihnachtsbaum. Das heißt, er hat keine Chance mehr. – Augustus sagt diesen Satz der sechzehnjährigen Hazel Grace Lancaster. Die beiden sind ein Paar. Aber Hazels Schrecken hält sich in Grenzen. Sie ist auch krebskrank. Beide leben in einer Endzeit. Beide haben gewusst, als sie ihre Beziehung eingingen: Das kann passieren. Was tun in der Endzeit?

mannaDieses sich Zurückwünschen in die Sicherheit, die eben die Sicherheit der Diktatur war, die sollte aufhören in den Köpfen der Menschen. Und wohin sollte ihr Denken gehen? Ins Jetzt. Was haben wir hier? Was liegt zu unseren Füßen? Können wir uns hier nicht genauso gut ernähren? Ihr denkt, ihr seid in der Wüste. Aber Gott versorgt euch auch da, wo es auf den ersten Blick keine Möglichkeit gibt zu überleben. Selbst in der Wüste gibt es genug Nahrung für euch! Macht die Augen auf! Bleibt nicht, wo ihr seid! Der Weg führt heraus. Predigt im Rundfunk-Gottesdienst (MDR-Figaro), Thränitz, 3. August 2014.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVollmundig wird zum Essen gerufen. Und das Köstliche sind dann doch nicht: Milch, Honig, Wein, Granatäpfel, Walderdbeeren und das purpurne Innere von wilden Feigen. Sondern der Genuss Gottes, zu dem er selbst einlädt. Ach, wollte uns das doch gelingen, so vollmundig einzuladen zu Brot und Wein, Fest und Musik, Kuchen für Kirchenspender, Radio-Gottesdiensten mit Motetten-Chor und Martinszug mit Pferd und Hörnchen. Und darüber nicht zu vergessen, was wir umsonst anzubieten haben, weil es unbezahlbar ist, das Brot des Lebens, das Wasser, das in Ewigkeit nicht mehr dürsten lässt. Die geistliche himmlische Nahrung, von dem der Genuss hier und jetzt nur ein Vorgeschmack ist. Predigt zur großen Einladung.

NoldeKonfirmation: Zu wissen, ich bin getauft, und zu wissen, was es bedeutet, getauft zu sein und dies der Gemeinde öffentlich zu zeigen. Diese Liebeserklärung Gottes empfangen zu haben, dieses Untergetauchtwordensein in Wasser und Feuer, dieses Umspültwordensein von Leben und Geist. Dieses Neubeginnenkönnen immer wieder, mit Gott, der nicht darauf sieht, ob wir liebe Menschen sind und Erfolg haben und uns anständig benehmen, sondern der ins Herz hineinschaut, die Person nicht ansieht, wie sie geworden ist, sondern wie sie gemeint ist. Pfingstpredigt 2014

soellewann werden wir die dinge weinen hören/wann werden wir die dinge weinen sehen/wann werden sie uns übers gesicht rinnen/ die tränen der dinge – In poetischen Worten spricht Dorothee Sölle aus, was wir nicht mehr wahrnehmen. Die Dinge weinen. So spricht sie den Gedanken des Paulus neu aus, dass sich alles Geschaffene mit uns ängstigt und nach Erlösung sehnt. Und genau betrachtet dreht sie dabei die Perspektive um. Die Kreatur ängstigt sich nicht mehr mit uns gleichsam an unserer Seite und solidarisch, – die Bassstimme im Klagechor aller Menschen. Nein, die Dinge weinen, und wir hören und sehen es nicht. Die Stimme der Dinge schweigt für uns. Wir können sie nicht mehr wahrnehmen. Die Dinge sind Material für unsere Zwecke, aber wir sind nicht aus dem gleichen Stoff wie sie. Dorothee Sölle stellt die Frage, wann die Tränen der Dinge unsere eigenen Tränen sein werden. Predigt an Exaudi, dem Sonntag der Sehnsucht.

Gaasch DeckenreliefUnd nun kommt die zweite Hälfte unseres Reliefs. Christus kommt ins Spiel. Er ist offenbar mit Gott verwandt, denn von seinem Haupte gehen dieselben Strahlen aus wie im oberen Brennpunkt des Reliefs von Gott. Und nun heißt es eben ganz deutlich im Neuen Testament, er hat die Welt mit Gott versöhnt. Er hat der gefallenen Schöpfung gleichsam beim Aufstehen geholfen, er hat sie sanft gefasst und sie wieder aufgerichtet. Und er hat ihr das Gehen beigebracht. Und schließlich hat er sie losgelassen. Und als sie gehen konnte, hat er sie allein gelassen. Diesen Tag feiern wir heute. Die aufgehobene Schöpfung, kann wieder so zu Gott hoch schauen wie im Anfang, als Gott Himmel und Erde schuf. Grundbegriffe des Christentums, Teil VII: “Die Schöpfung”. Hier ist die Predigt.

FernsehenGerade sind sieben Engel erschienen mit sieben Schalen des Zorns. Gleich werden sie einzeln ausgegossen und Katastrophen kommen über die Welt der Endzeit. Aber vorher wird das Lied der Überwinder gesungen. Die Geretteten sehen die Katastrophe unberührt wie im Fernsehen. Durch eine Glasplatte getrennt, spielt sich alles ab, was die Erde quält und belastet. Wir sind zwar dabei, aber wir sind nicht persönlich betroffen. Auch unsere Fernsehschirme sind oft in diesem Sinne ‘Glas mit Feuer vermenget’. Predgt über die Glasscheibe zum Selbst.

bobWie wird also unser Herz zum Adler? Indem es den richtigen Moment abwartet, und wartet, bis Gott es ergreift. Alles Flügelschlagen, alle Flatterei, alle Flugversuche vorher helfen nichts. Wenn wir einen Weg aus der chronischen Überlastung finden wollen, dann führt er zunächst dazu, uns weniger zuzutrauen und stille zu halten und uns wie die zarten Blumen, nach Gottes Licht auszurichten. Und dann erst werden wir handeln, wenn Gottes Kraft kommt. Predigt über die Müdigkeit.

Jugendstil Osterkarte Und dann springt die große steinerne Platte unseres Grabes. Und wir richten uns auf und schauen umher. Die Welt sieht anders aus. Wo sind die Grenzen geblieben? Wir möchten alle umarmen. Und ertragen es nicht, wenn jemand außen vor bleibt. – Heute ist Ostern,heut springen die Banden und schwinden die Flecken. Heute geht die Sonne zweimal auf. Heute sind wir gute Menschen,weil Gott es so will. Osterpredigt aus Thränitz.

trauerHeute ist das ganz anders. Heute kennt man die Krankheiten und ihre Auslöser. Die Stoffe, die Krebs erzeugen, die genetischen Bedingungen, die Asthma hervor bringen, Wetterbedingungen und Ernährungsfehler, die Rheuma begünstigen. Aber bei Ernährungsfehler beginnt es schon: Immer mehr Krankheiten gelten heute als Quittung falscher Lebensführung. Das Falsche gegessen, nicht mit einem Verlust fertig geworden. (Wer länger trauert als 14 Tage steht im Manual psychischer Krankheiten, ist bereits psychisch krank.) Oder haben sie eine Aggressionen nicht richtig verarbeitet, nicht genug Bewegung gehabt? Predigt am Karfreitag 2014 zu “Er trug unsere Krankheiten”.

JerusalemDer ältere Jeremia mit den nervösen Augen und dem Mund, der immer zuckte. Wie Tonscherben werde man sie zerschlagen, über ihre Wunden werde man pfeifen, sagte er. Er schrie nicht, er wartete, bis sie ruhig wurden und ihm zuhörten. Den haben sie in den Block gelegt, in den Krummblock nahe an ihrem Herzen, dem Tempel. Da war er selbst zerschlagen. Gut gegangen ist es  den Propheten nicht,die nach Jerusalem kamen und die Entscheidung suchten. Erzählpredigt über Jesu Einzug in Jerusalem.

noahGroßes Kino könnte man sagen. Und der Film zur Zornflut, der Noah-Film, startete ja letzten Donnerstag im Kino, mit Russell Crowe als Noah und Anthony Hopkins als Methusalem,großes Hollywood-Kino mit großen Stars, Kino der große Gefühle. Und genau das ist die Bibel auch, ein Buch der großen Gefühle, vor allem auch der großen Gefühle Gottes: Predigt über die Gottes große Gefühle..

nomadenNormalerweise werden im Laufe der Zeitaus Nomaden Ackerbauern. Das ist der Weg des Kulturfortschritts. Hier aber wird ein Ackerbauer zum Nomaden.„Mache dich auf Abram!“ Das ist der Moment, in dem Abraham Gott erkennt. Endlich versteht er sein Wesen. Es ist ein unruhiger Gott. Gott erkennen, versteht Abraham, heißt Aufbrechen. Predigt über das Unruhigwerden aus Glauben.

rosemaries babyDie Geburt des Bösen ist eine unheimliche Vorstellung, wohlbekannt aus der Horrorliteratur und Filmen wie „Rosemarie’s Baby“ von Roman Polanski. Jede Geburt ist eigentlich ein Neuanfang. Ein neues Leben wächst und entfaltet sich. Mit jedem Kind beginnt die Welt neu. Jede Geburt ist eine neue Chance für das Leben auf der Erde. Aber die Geburt des Bösen dreht diesen Gedanken um. Wie kommt das Böse in die Welt? In der Versuchung wird das Böse geboren, sagt der Jakobusbrief. Predigt über die Versuchung und das genaue Hinsehen.

Der Tauben weißeste flog auf!Der Tauben weißeste flog auf. Ich darf dich lieben. So beginnt ein Gedicht von Paul Celan. – Als Jesus getauft wurde, kam eine weiße Taube vom Himmel herab. Das war eine Liebeserklärung Gottes. Er sagte mit dieser Geste: „Du bist mein geliebter Sohn!“. Seitdem ist jede Taufe eine Liebeserklärung Gottes. Eine Taufpredigt.

Tristan und Isolde im JugendstilViele sind jetzt neugierig, wundern sich und fragen sehr angelegentlich, wie sich Tristan und Isolde in dieser Einöde am Leben erhielten. Davon will ich ihnen berichten und Ihre Neugier befriedigen: Sie sahen beide einander an, damit ernährten sie sich. Die Frucht, die das Auge hervorbrachte, war ihr beider Nahrung. Sie aßen nichts anderes als Zuneigung und Liebe. Das liebevolle Zusammenleben war ihre Nahrung. – So berichtet es Gottfried von Straßburg über das berühmte Liebespaar Tristan und Isolde. Ist das ein Fasten, das dem Herrn gefällt? Predigt über das Fasten.

Die Missionsreisen des Apostels PaulusAuch wenn sich unsere Lebensreisen eine Zeit lang sehr verwirrend anfühlen, kann zum Schluss daraus eine übersichtliche Karte entstehen, in deren Legende steht: „Unser Leben vor Gott“. Mit blauen und roten Linien, gestrichelt und gepunktet, sehr unzusammenhängend im Einzelnen, aber auf’s Ganze gesehen perfekt. Der Heilige Geist hat uns so geführt, wie es sein musste. Der ganze Lebensraum abgeschritten, Höhen und Tiefen, Berge und Meere, auf den Flüssen gereist und durch dunkle Höhlen gekrochen, das Leben gelebt. Und Gott fährt mit den Fingern auf der Landkarte unseres Lebens und freut sich über sein Werk. Predigt über die Momente, in denen nichts mehr geht.

Grundbegriffe des Christentums Auch Gott ist durch die Nacht des Schmerzes gegangen. Auch er ist in der Situation gewesen, in der aller Sinn zerfiel, alle Vorsätze schwanden, in der er nichts war als Schmerz. Und doch hat er an uns festgehalten. Er hat den Bund seiner Liebe nicht fallen gelassen, hat ihn nicht gebrochen. So zeigt der Schmerz, der eigentlich alle Treue auflöst, Gottes unzerstörbare Liebe zu uns. Seine Liebe, die niemals aufhörte, auch als sie nach menschlichem Ermessen aufhören musste. Grundbegriffe des Christentums, Gottesdienst V: KREUZ.

Predigt mit dem einzigen Lichtmess-Film Hollywoods: "Und täglich grüßt Murmeltier".An Lichtmess kann man wieder im Hellen zu Abend essen. Die Scheune muss noch halb voll sein, die Weihnachtsdekoration wird spätestens jetzt abgebaut. Das Bauernjahr beginnt, die Arbeit wird wieder aufgenommen. Lichtmess ist eine Markierung im Jahr, in der Zeit. Predigt mit dem einzigen Lichtmess-Film Hollywoods: “Und täglich grüßt Murmeltier”.

Gott zeigt uns als Mensch, woher die Kraft kommt. Predigt zu den Grundbegriffen des Glaubens IV: GLAUBEN.

„Beten für Schumi“ – Eigenartigerweise sagt niemand: Jetzt können wir nur noch hoffen! Oder: Jetzt können wir nur abwarten! Alle möchten eben nicht untätig sein. Sie möchte nicht warten oder hoffen, sondern beten. Predigt über das Geheimnis von Weihnachten.

Wer nur versucht, Kleinigkeiten anders zu machen, ohne die Haltung zum Leben zu verändern, scheitert fast immer. Predigt über das Wurstessen und verwandte Dinge am am Altjahresabend.

Wenn du Glauben hast so groß wie ein Senfkorn, dann sprich zu diesem Berg: „Verrücke dich!“ Und er wird vom Platz rücken. Das ist ein guter Umgang mit einem Berg von Problemen, finde ich. Predigt am Weihnachtstag.

Dann wird es Weihnachten. Einen Augenblick lang werden wir geschaut von den Engeln und riechen die Herrlichkeit, ein Geruch wie von Neugeborenen, nach  Milch und Karamell. Predigt am Heiligabend.

Am letzten Adventssonntag, so nahe an Weihnachten, spreche ich es einmal unmissverständlich aus: Gott straft nicht, er verwandelt, wenn wir ihn erwarten. Predigt am 4. Advent.

Das Schwören behauptet: Unsere Welt gehört nicht Gott. Wer vertraut, wo er schwören will, überlässt sich Gott. Und der wird es wohl machen. Predigt im Fest- und Dank-Gottesdienst anlässlich des 85jährigen Jubiläums des Posaunenchors der Stadtgemeinde Gera am 23. Sonntag nach Trinitatis (3. November 2013) in St. Salvator, Gera.

Könnte nicht vielleicht irgendwas besser laufen bei mir als bei anderen, weil ich an dich glaube, Gott? Kann ich nicht irgendwie ruhiger sein, wenn der Arzt die Blutergebnisse bringt und seine Miene dunkel ist? Predigt zur Einführung des neuen GKR in Thränitz am Vergebungssonntag.

Gottes Liebe lässt sich eher verletzen, als aufzugeben, aber auch als den Geliebten, die menschliche Seele, mit Gewalt zu nehmen. Gottes aufbrechende, verletzliche Liebe zeigt dieses Kreuz. Eine Liebe, die sich selbst in eine Extremsituation gebracht hat. Eine Extremsituation,vdie nötig war, um uns zu ihm zurückzuholen, mit anderen Worten: uns zu erlösen. Predigtaus dem Gottesdienst “Grundbegriffe des Christentums” II: Liebe.

Ach, ach, – und so ist das mit den Wundern Gottes: Sie geschehen mitten in unserem Leben,aber sie geben uns nur eine neue Chance. Sie geben uns die Möglichkeit umzusteuern, einen neuen Weg zu gehen. Aber wenn wir den alten weiter gehen, so macht auch das Wunder unser Leben nicht neu. Predigt über Wunder und den Willen, gesund zu sein.

Dankbar für das, was wir haben, selbst wenn es wenig ist und es mehr werde sollte, dankbar für die Menschen, die sich uns zuneigen, dankbar für die Sonnenstrahlen, für das Blond und Braun und auch Grau unserer Haare, das Rot der Himbeeren und das tausendfache Grün der Blätter, für die goldene Farbe des Honigs und das Blau des Himmels. Dank für die Schöpfung! Erntedank-Predigt über das Begehren.

Sünde ist das Gefühl für solche, die höchste Ziele anstreben und dabei so oft scheitern. Die höchsten Ziele, die so einfach formuliert werden können: Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst. Predigt aus dem Gottesdienst “Grundbegriffe des Christentums” I: Schuld und Vergebung.

So wird uns das „Wunder tun“ zugetraut, so wie das „Weisheit haben“ und das „Reden in Engelszungen“. Aber daran werden wir nicht gemessen. Erst wenn wir das „Wunder tun“ aus Liebe vergessen, sind wir, wo wir sein können. Predigt vom Senfkorn und vom Maulbeerbaum.

Wir können aufhören zu denken: Gott ist in der Ferne. Gott sieht. Und wir blicken zurück. Nicht in die Ferne, sondern in ein Gesicht! Predigt über eine Frau am Brunnen.

Es muss ein Gefühl sein, als ob ein Kaufmann die Art von Perle gefunden hat, die er lange suchte, so ein Jubeln von unten herauf, so ein langsames Geflutetwerden von Glück. So fühlt sich das an. Hier ist die Predigt vom Rundfunk-Gottesdienst.

Solange es noch nicht Nacht ist, können wir handeln. Eine erzählende Predigt über eine Blindenheilung.

“Jesus verkündete das Reich Gottes, und es kam die Kirche.” So schrieb der französischer Bibelwissenschaftler Alfred Loisy. Er wurde für diesen und andere freche Sätze schließlich exkommuniziert. Heute klingt der Satz alltäglich – recht überzeugend und dazu irgendwie kritisch. Trotzdem finde ich ihn falsch. Ich meine, Jesus wollte schon eine Kirche bauen, aber: Er wurde dabei dauernd gestört.

Dann das Stimmgewirr derer, die eine Frau herbei schleppen. Das macht Aufsehen im Tempel. Rufe des Erstaunens, Schritte, die sich dem Pulk anschließen. Vielleicht geht die Frau nicht freiwillig mit und wird geschleift oder gestoßen. Staub wirbelt auf. Dann die Fragen, die auf Jesus einstürmen. Aber Jesus bleibt auf der Erde sitzen und schreibt mit den Fingern in den Sand.  Predigt über die Ehebrecherin.

Ich fürchte, es ist zugleich so einfach und ebenso schrecklich: Das Leben geht so! Es enthält für jeden von uns Glück und Leid bereit: die Löcher und das Gesicht, das über dem Brunnenrand erscheint und dem Menschen gehört, der uns gleich hochziehen wird. Segen heißt, mein Leben wird gelingen, wenn Gott mich ansieht, aber Segen heißt nicht, ich lebe in einem permanenten Glückszustand, ich falle in kein Loch mehr. Predigt über den aaronitischen Segen.

Wollt Ihr der Hoffnung mehr vertrauen als dem Zweifel und dem Mut mehr als der Angst, so antwortet: Ja, Gott helfe uns dabei! Konfirmandinnen und Konfirmanden: Ja, Gott helfe uns dabei! Pfingst- und Konfirmationspredigt 2013

Ist das Vaterunser ein unsichtbares Gummiband, das uns mit Gott verbindet? Predigt am Sonntag Rogate (“Betet!”).

Und wer getauft ist, behält ein weiches Herz, dass sich immer wieder ins Leben verlieben kann, selbst wenn es manchmal verhärten sollte. Predigt am Weißen Sonntag.

Sind Sie schon mal durch den Schnee zum Ostergottesdienst gestapft? Gut, die Vögel zwitschern um die Kirche, als sei es Frühling. Aber wo ist der Osterhase? Man könnte meinen, der Osterhase sei dieses Jahr ein Eisbär. Die Osterpredigt 2013.

Vertrauen gehört natürlich dazu. Geistliche Flugangst muss überwunden werden. Solange wir vertrauen, haben wir keine Angst. Und weil wir keine Angst haben müssen, steigen wir ins Osterkarussell mit leichten heiteren Schritten und lassen uns durch Gottes schöne Welt wirbeln. Her mit den Fähnchen! Wir werden sie schwenken, weit über die Reling gebeugt, und dabei rufen: “Victoria!” Osternachtspredigt zu Paul Gerhardts Lied “Auf, auf, mein Herz mit Freuden”.

Die Geburt steht bevor. Schmerz und Glück. Es gilt auch für uns, die wir auf Ostern zugehen: Unsere Stunde ist gekommen.  Die Predigt am Palmsonntag.

Wir Menschen leben in fremden Liedern. Wir covern Songs, die vor uns gesungen worden sind. So hat es schon Luther mit dem Psalm 146 gemacht: “Lobe den Herrn meine Seele”, hat er den hebräischen Text beim Singen neu gedichtet. Und Paul Gerhardt covert den Psalm erneut: “Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön”, jubiliert er im Zwiegespräch mit seinem traurigen Selbst. Lieder, die Leben helfen angesichts Paul Gerhardt.

Haben Sie den Schutzengel-Werbespot der Provinzialversicherung gesehen? Diese Predigt setzt damit ein. aber: Unverletzlichkeit, eine Drachenhaut wie Siegfried, gehört nicht zu den Versprechungen unseres Gottes. Unverletzlichkeit schützt uns vor dem Leben selbst. Gott ist keine Lebensversicherung.

Eine neue Reformation, die Schönheit des Glaubens wiederfinden, Gottesdienst feiern in der Gegenwart Gottes. Das alles entsteht da, wo Gott erscheint. Predigt zum Epiphaniastag

Das Leben lässt sich nur ändern, indem wir die Haltung zum Leben ändern. Unser heutiger Text sagt das ganz streng: “Die Wahrheit wird euch frei machen!” Diese Wahrheit ist der Weg zu Gott, den Jesus entdeckt hat. Diese Wahrheit ist der Raum, den Jesu Worte uns eröffnen. Dieser Raum entsteht, wenn wir es schaffen, dem Leben mehr zu vertauen, weil wir wissen, dass es ein von Gott gehaltenes und geschütztes Leben ist. Predigt zum Altjahresabend 2012.

Wenn alles dunkel ist, kommt das Licht. Wenn alle Hoffnung umgestürzt ist, treibt ein neues Reis. Die Verletzlichkeit bleibt, aber darin um die Hoffnung zu wissen, das ist Weihnachten.Weihnachtspredigt 2012.

Wer nichts wird, wird Hirt. Kurzfassung der Predigt vom Heiligabend 2012.

Dass heißt, wir müssen lernen, den anderen mit dem Herzen zu hören und auch Gottes Stimme in der Stille mit dem Herzen zu hören und wir müssen einen Weg finden, unsere Entscheidungen mit Verstand, aber vom Herzen – mit dem Verstand des Herzens eben – zu fällen. Predigt zum 2. Advent

Unser Leben ist verletzlich, weil wir verletzlich sind – und weil wir auch mit verletzt werden, wenn anderen etwas zustößt. Um diese Verletzlichkeit zu wissen, leitet uns an, unser Leben nicht zu verschieben. Jetzt leben wir, angesichts des Todes und dennoch: Jetzt leben wir! Das Leben ist schön und gefährlich. Und wir leben Jetzt – und Jetzt – und Jetzt! Predigt zum Ewigkeitssonntag 2012.

Der heutige Sonntag ist der Volkstrauertag. Was tut man da, außer darüber zu trauern, was das eigene Volk angerichtet hat und dass die eigenen Großeltern dabei umgekommen sind, dass wir Menschen verloren haben, die ihr Leben nicht zu Ende leben konnten, die wir nie kennen gelernt haben, wie ich persönlich vier Brüder meines Großvaters Franz Petrick? Predigt zum Volkstrauertag.

Predigt zum Reformationstag 2012: “Freiheit ist schön, macht aber viel Arbeit.” So einen ähnlichen Satz hat Karl Valentin einmal gesagt. Und ich habe noch eine andere Behauptung von dieser Art: “Freiheit macht müde.” Warum wir ihr trotzdem nicht ausweichen sollten.

Wenn wir übrigens eins wissen vom wiederkommenden Herrn, dann ist es dies: Wir werden alle aus der Balance kommen in diesem Moment. Und es wird nicht schlimm sein. Es wird sein wie ein Taumeln vor Glück. Predigt über die Vorteile einer guten Erwartung.

Vielleicht ist es sogar nützlich, uns einen Geist vorzustellen, der von dem Kranken Besitz genommen hat. Und diesen Geist vom “Vater aller Geister, der der Wunder Abgrund ist” vertreiben zu lassen. Predigt über das Verhältnis von Heil und Heilung.

Die schmerzlichen Momente im Leben, auch sie kommen vom großen Geber aller Gaben. Die ganze Welt liegt in seinen Händen, ruht und regt sich unter dem Gewölbe des Himmels, der Sonne, Tau und Regen gibt. Eine Andacht zum Erntedank-Lied “Wir pflügen und wir streuen” (EG 508)

Am 10. August 955 war die Schlacht auf dem Lechfeld der Endpunkt der Ungarneinfälle und der größte militärische Sieg einer Koalition deutscher “Stämme” gegen die ungarischen Reiter. Otto der Große trug ein  St. Michaelsbanner. Seitdem ist St. Michael der Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation gewesen, später der Schutzpatron Deutschlands. Der deutsche Michel ist eigentlich ein Streiterengel mit einer Schlafmütze. Predigtskizze zu Michaelis 2012 in St. Michael, Gera-Pforten.

Der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wirklich? Und wie das? Vielleicht so!

Gott schweigt! Das ist die Erfahrung des letzten Jahrhunderts, des Jahrhunderts der Weltkriege und der Pogrome. Wie kein anderes Jahrhundert hat das 20ste unter Gottes Schweigen gelitten. Das hing mit Krieg und Gewalt zusammen. Denn was unterhöhlt die Gottesbeziehung nachhaltiger als Schuld? Was trennt uns stärker von Gott als Gewalt? Predigt zum Israelsonntag.

So viel Schwere! So viel Schwere kommt in diesem Moment in Jeremias Leben. Und doch fühlt er sich so leicht. Viel wird im zugetraut und doch fühlt es sich nicht bedrohlich an. Wozu sind wir berufen?

Woran merken Sie eigentlich, dass Ihnen die Sünden vergeben sind? Wenn Sie spüren, dass es in Ihrer Mitte ruhig ist und sie keinerlei Bedürfnis verspüren auszuschweifen. Wenn Sie der Meinung sind, ich kann so bleiben, wie ich bin. Wenn Sie merken, Gott wohnt in mir - und das ist genug.

Seid Ihr selbst! Lasst uns von niemand etwas einreden! Sucht eine Lösung, mit der ihr auch persönlich zufrieden sein könnt! Verbiegt euch nicht! Seid verschieden!

Im Kindergarten Löwenzahn ist ein riesiger, aber wohl schon hohler Baum umgestürzt. Ich habe mit den Kindern gebetet, dass Gott Stürme blasen lässt, dass Bäume umstürzen, aber auch Bäume neu wachsen lässt. Predigt über das Gottvertrauen angesichts von Sommerstürmen.

Johannes erkennt den Messias. Er erkennt ihn gegen seine eigenen Erwartungen. Er wird nicht der angekündigte Feuertäufer sein. Trotzdem erkennt er ihn und weiß: Der kommt mit einer anderen Gewalt, als er sich vorgestellt hat. Predigt zum Kantaten-Gottesdienst an Johannis 2012

Der Gott der Nähe, der wenn wir ihn in die Tasche stecken, nicht mehr dort ist, wenn wir ihn herausholen wollen, der Gott der Ferne, der alles sieht und im richtigen Moment an unserer Seite ist. Dieser Gott sei bei euch, wohin immer ihr geht! Amen.

Gott liebt dich, wie du bist. Er liebt den ganzen Zoo deiner verschiedenen Seelen, die gestreiften Tiger und die Kapuzineräffchen, die Schlangen und die nachtaktiven Kuscheltiere mit den großen Augen, die zufriedenen Alpakas und die nervösen Gazellen, die Schrecken erregenden Spinnen und die pinkfarbenen Flamingos mit ihrer steifen Grazie. Konfirmation mit dem Steppenwolf.

Du Allerhöchster interessierst dich für uns, du zählst unsere Tränen, du hörst unsere Gebete, du folgst unseren Spuren und bist bereit für uns, wenn wir uns umdrehen und dir entgegen gehen. Gebet ist Verbindung.

Immer wieder ist in den Liedern Luthers die Dunkelheit noch zu spüren, aus der sie hervorgegangen sind und dann wieder das Sich-Wundern über die plötzliche und unerwartete Lösung. Meine Predigt zur Lutherankunft auf der Wartburg 2012. (Gastpredigt in der Reihe der Wartburg-Gottesdienste.)

“Das Leben ist zu schön für Schmerzen!”, suggeriert zur Zeit eine Werbung für Kopfschmerztabetten. Wer nicht die Schmerzen abschaltet und im fröhlichen “Jetzt” bleibt, verdunkelt sein Leben.  Der Apostel Paulus dreht den Gedanken um: Der Grund unseres Lebens ist bereits österlich aufgehellt, und was immer uns Trauriges oder Schreckliches begegnet, es ist nur zeitlich, momenthaft, vorübergehend. Das Ewige liegt im Jetzt.

Wie sieht Christi Sieg über den Tod aus? Welches Lied singt er? Bestimmt nicht “We are the Champions”, denn er kam nicht wie ein Sturm mit den Wolken und präsentierte sich nicht als der neue Herrscher. Osterpredigt zu Hannas Lied.

Wir stehen schon auf der schmalen Landzunge, die vom Himmel her in unser Leben reicht. Ostern ist jetzt, wenn wir ihm entgegen gehen. Tod, wo ist dein Stachel?

Das Bild des Schmerzes Gottes ist das Bild seiner unzerstörbaren Liebe zu uns. Unser Karfreitagsgottesdienst mit Texten zu Grünewalds Isenheimer Altar.

Wer ohne Gott vor Gott bestehen will, hat keine Chance. Wer ohne Gott seinen eigenen Gedanken unterworfen ist, findet kein Ende. Der ist kurzatmig wie die Kinder Israels in der Wüste. Wohin blickt man, wenn die Schlangen kommen?

Wie kommt man zu einer Jüngerzunge? Wie redet es sich damit? Und wie funktioniert eigentlich Beten?

Das Evangelium liegt in der Hand von Unprofessionellen, Laien, Zufallsbekanntschaften Gottes. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Am meisten beschäftigt und das, wovor wir Angst haben. Aber hinter unserem Alltag steht Christus und hat die Gemeinden in seiner Hand. Predigtskizze zum “Fest der Verklärung”.

Vergebung ist eine Art von Leiden, weil sie auf Vergeltung verzichtet. Kurzpredigt zum 2. Sonntag nach Epiphanias für Glaube + Heimat

Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Kurzpredigt zum 1. Sonntag nach Epiphanias für Glaube + Heimat

Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Kurzpredigt zum Neujahrstag für Glaube + Heimat

Feuerschein und Wolke: Unser Gott ist ein wandernder Gott. Er begleitet uns in den Wüsten unseres Lebens. Predigtskizze zum Altjahresabend.

Weiße Weihnacht und was dahinter steckt. Eine halbe Stunde Pause in der Katastrophe.

Es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Kurzpredigt zum 1. Christtag für Glaube + Heimat

Im Advent geht es uns wie Maria: Wir erwarten ein Kind. Bis dahin bewegen wir Worte in unseren Herzen.

Worauf warten wir? Unser Leitbild ist ein wandernder Stern. Predigt im Ökumenischen MDR-Fernsehgottesdienst am 3. Advent (11. Dezember 2011).

Woher kommt die Ruhe, die die Welt nicht geben kann? Von der Begierde der Augen.

“Ich bin klein, mein Herz bist rein. Soll niemand drin wohnen, als Jesus allein.” Wer darf in unserem Herzen wohnen?

“Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!” Jesus und der reiche Jüngling.

Gott ist uns näher als unsere Haut. Über Nähe und Ferne anlässlich des Papstbesuches und der Heilung eines Hautkranken in Markus 1, 40-45.

Wer sich erniedrigt, rechnet damit, erhöht zu werden! Oder? Predigt über einen Pharisäer und einen Zöllner

Glaube heißt durchlässig sein, zu wissen, dass wir aus Gottes Kraft leben, als wilde oder edle Bäume, ganz egal: Gottesdienst zum Israelsonntag in Taubenpreskeln

Aus der Presseerklärung der EKM zum Attentat des Norwegers Anders Behring Brevik: „Christlicher Glaube und Gewalt sind unvereinbar.“ Wirklich? Schwerter zu Pflugscharen

Wer sind Maria und Martha, und wie werden sie lebendig? Estomihi 2011 Salvator Predigt

Das Wasserschütten beim Laubhüttenfest und der Flow in unserem Leben: Exaudi 2011 Salvator mT Texte

Um es frei heraus zu sagen: ich bin dafür, dass auch wir evangelischen Christen im Glaubensbekenntnis wieder sagen: „Ich glaube an die heilige katholische Kirche!“Predigt für den Ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag 2010

Wie wird man religiös erwachsen, und was hat die Fußball-WM 2010 damit zu tun? Pfingstsonntag 2011 Texte

“Der Tauben weißeste flog auf / Ich darf dich lieben.” Die Taufe ist Gottes Liebeserklärung an uns: Quasimodogeniti 2011 Salvator Texte

Warum ist es so schwer, von Gott zu reden? Trinitatis 2011 Salvator Texte

Der Ostergottesdienst  2011 bezog sich auf das hier abgebildete Bild von Herbert Falken: Ostersonntag 2011 Salvator Texte

Das Lied “O Haupt voll Blut und Wunden” von Paul Gerhardt war das Gegenüber zur Karfreitagspredigt 2010: Karfreitag 2010 Predigt

Orthodoxe Juden im Stadtbild von Davos. Was provoziert diese selbstbewusste Verschiedenheit? 13nTrinitatis 2010 Salvator Predigt

Mit Henrich Heine über die Jahreslosung 2010: Euer Herz lasse sich nicht verwirren! Neujahr 2010 Gebete und Predigt

Über die Gemütlichkeit – und den langen Weg zur Liebe: Aschermittwoch 2010 Salvator