Film-Gottesdienste

DIE PASSION DER JUNGFRAU VON ORLEANS – “Gott, schaffe mir Recht!” So beginnt der Psalm 43, und daher hat der Passionssonntag Judica auch seinen Namen. Der Beter fordert sein Recht von Gott, damit er nicht mehr so traurig einher gehen muss und auch, damit seine Seele nicht betrübt ist. Was hat Recht mit Traurigkeit zu tun? Das ist das Thema des Psalms und auch des Films. Wer Unrecht leidet, wird traurig. Wer in ungerechten Verhältnissen lebt, verfällt nach und nach auch in seiner Stimmung.  Der Stummfilm von Carl Theodor Dreyer zeigt nicht die militärischen Erfolge der Jeanne D’Arc. Er zeigt nicht, wie sie mit ihrem heiligen Banner Bastionen einnimmt. Er zeigt Jeanne in ihrem Gerichtsprozess vor Klostermauern. Er zeigt sie, wie sie versucht, nicht traurig zu werden, mit anderen Worten: Wie sie versucht, ihren Glauben zu behalten. Jeannes Kampf ist der Kampf mit ihren Anklägern und Richtern. In ihrer Aufrichtigkeit prüft sie sich selbst so hart, wie es die Richter verlangen und fügt sich dabei psychische Wunden zu. Sie wird schwach, aber gewinnt immer wieder Stärke, Der Prozess der Jeanne D’Arc ist eigentlich ein Psychodrama, das Drama der Passion. Wir zeigen diesen Stummfilm von 1928 am 16. März 2013 um 19.30 Uhr in der Salvatorkirche. Kreiskantor Ralf Wosch wird ihn life an der Orgel begleiten. Réka-Zsusánna Fülöp wird live ein Lied einsingen. Am Sonntag Judica, dem 17. März 2013 um 9.30 Uhr findet ein Film-Gottesdienst statt. Eine Szene des Films wird gezeigt, Liturgie, Musik und Predigt beziehen sich auf den Film und versuchen seiner Gewalt Stand zu halten. Falls Sie nachlesen wollen: Hier steht die Predigt.

DER MÜDE TOD – “Ich mache auch nur meine Arbeit!” Das behauptet der Tod in Fritz Langs Film. Er ist eine würdige Gestalt, und um ihn herum brennen viele Kerzen. Der Erste Weltkrieg ist gerade erst ein paar Jahre her. Und der Tod ist müde geworden. Er hat es satt, von allen kritisiert zu werden. Er führt nur aus, was Gott ihm aufträgt. Als eine junge Frau ihn bedrängt, er solle das Leben ihres Mannes wieder herausgeben, schlägt er ihr ein Spiel vor. Daraus wird Fritz Langs Film “Der müde Tod” (Deutschland, s/w, 1920).

Wir zeigen diesen Film am Abend vor dem Volkstrauertag, also am 17. November 2012, mit einer Live-Orgelbegleitung von Kreiskantor Ralf Wosch. Er beginnt um 20.00 Uhr in der Salvatorkirche, Gera. Am nächsten Morgen ist um 9.30 Uhr ein Film-Gottesdienst in der Kirche. Predigt, Lieder, Texte und Gebete beziehen sich auf diesen Film, widersprechen ihm, gehen auf ihn ein, stimmen ihm auch zu. Eine Szene des Films wird im Gottesdienst gezeigt. Hier ist die Predigt.

MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK – Es sind kleine Dinge, die das Verhängnis auslösen. Beinahe Zufälle. Aber Zufälle, die durch die soziale Not einer Berliner Arbeiterfamilie in den 20er Jahren begünstigt, beinahe erzwungen werden. Es sind kleine Dinge, die die Rechtschaffenheit dieser Familie bedrohen. Und doch haben sie große Wirkungen. Mutter Krause dreht zum Schluss den Gasherd auf. Bitter nennt das der Film “Mutter Krausens Fahrt ins Glück”. Ein diesseitiges Glück war für sie offenbar nicht möglich.

In einem Film-Gottesdienst setzten wir uns mit einem der großen deutschen sozialkritischen Stummfilme auseinander, denn die Erinnerung an das Elend der Menschen gehört – besonders zur Passionszeit – in die Kirche. Am 25. Februar 2012 wurde der Film gezeigt. Um 19.30 Uhr wird nicht eine schummrige Kino-Orgel (wie in den 20ern), sondern die große Röwer-Orgel den Film begleiten. Kreiskantor Ralf Wosch hat große Erfahrung mit der Begleitung von Stummfilmen und hat auch diesen kongenial mitgestaltet. Wir waren sogar unter den Veranstaltungstipps bei MDR Figaro. Am Sonntagmorgen, dem 26. Februar um 9.30 Uhr gab es dann den Film-Gottesdienst über Mutter Krausens Fahrt ins Glück. (Es war der erste Sonntag der Passionszeit namens “Invokavit”.)  Predigt und Liturgie lagen bei Pfarrer Dr. Frank Hiddemann. Ralf Wosch hat noch einmal eine Filmszene begleitet. Am Ausgang sammelten wir für den Geraer Verein Streetwork e.V.