Stille sein zu Gott

Sieht der Kontemplative auch keine Fortschritte, schreitet er doch weiter, als wenn er sich nur auf eigenen Füßen bewegte. Gott trägt uns in seinen Armen voran. Daher empfinden wir das Schreiten nicht, obgleich wir im Schrittmaß Gottes dahin getragen werden. Gott ist der Wirkende. Was er im Inneren formt, ist den Sinnen unzugänglich. Es vollzieht sich im Schweigen.

Jeden Freitag um 19.15 Uhr trifft sich eine meistens kleine Runde im Raum der Stille (Nicolaiberg 5/1.OG) und spürt den Dingen nach, die Johannes vom Kreuz hier anspricht. Wir schweigen insgesamt eine halbe Stunde lang. Die Zeit lassen wir uns von der Kirchturmuhr messen. Wenn sie Dreiviertel schlägt, schließen wir mit Gebet und Segen.

Wenn Sie einmal dazu kommen, werden Sie merken, dass es nicht ganz einfach ist, einfach zu schweigen. Wenn es äußerlich ruhig wird, beginnen oft innerlich die Gedanken zu laufen. Deswegen haben alle Religionen, auch die christliche, Techniken entwickelt, um schweigen zu können, innerlich und äußerlich. Innere Bilder oder Sätze helfen, die Gedanken ruhig laufen zu lassen. Am Freitagabend kann jeder kommen, meditationserfahrene und neugierige. Probieren Sie es einfach aus, wie es ist, mit uns zu schweigen. Manchmal werden Sie Entspannung finden, manchmal werden sie sich langweilen, manchmal werden Sie vielleicht für einen Moment Gottes Gegenwart spüren.