Gesprächskreis

Wir in der 4 HausnummerWir in der 4

Wo sprechen wir als Christen über die Welt? Wo diskutieren wir die Fragen, die uns kommen, wenn wir als aufmerksame Zeitgenossen leben? Jana Huster und ich laden ins Pfarrhaus ein. Es gibt regionalen Wein und westfälischen Pumpernickel. Wir versuchen, eine Gesprächsatmosphäre zu schaffen, in der alles auf den Tisch kommen kann, was uns bewegt. Es interessiert uns, wie wir als Christen in den wichtigen Fragen Orientierung gewinnen. Wer einmal mitreden will – wer er auch sei und wo er auch wohnt -, ist herzlich willkommen! Das Thema ergibt sich spontan. Wir treffen uns am 15. September, am 20. Oktober 2016 und am 10. November 2016 jeweils um 20 Uhr. Wir in der 4 – Jana Huster & Frank Hiddemann (Biermannplatz 4, 07548 Gera)

04 Horn Luthers Tischgespraeche Reformationsbroetchen und LutherTischgespräche mit Luther am 16. Februar, um 19 Uhr im Gemeindesaal, Nicolaiberg 5 / 1. OG: “Wolan, will ich ein Christ sein, so mus ich die hofefarbe auch tragen, der liebe Christus gibt kein ander gewand aus an seinem hofe, Es mus gelitten sein. - 1530, auf der Veste Coburg hielt Luther eine Predigt, die als “Sermon vom Leiden und Kreuz” bekannt wurde. Er geht darin auf den Vorwurf ein, die Reformation vernachlässige die Lehre  von den guten Werken und spreche nicht über Leiden und Kreuz. Das war nicht ganz falsch und hatte natürlich einen guten Grund. Luther wollte vermeiden, dass die Christen versuchten, sich mit guten Werken oder selbst gewähltem Leiden in den Himmel einzukaufen. Deshalb stellte Luther klar, fuer ihn bedeute das Leiden, Christus ähnlich zu werden, vor allem, mit Christus in Beziehung zu kommen. Wir laden ein zu einem Gesprächsabend in der Passionszeit. Am Dienstag, dem 16. Februar sprechen wir um 19 Uhr im Gemeindesaal (Nicolaiberg 5 / 1. OG, 07545 Gera) über Luthers Lehre vom Leiden. Zu den “Tischgesprächen mit Luther” gibt es wie immer Schwarzbier und Reformationsbrötchen. Herzlich willkommen!

In der Reihe: Tischgespräche mit Luther

Luther war bekannt dafür, dass er gern in geselliger Runde zusammen saß. Dabei löste sich seine Zunge, und viele seiner legendären Sätze und Geschichten stammen aus seinen Tischgesprächen. Ich biete in diesem Quartal einmal im Monat Abende an, an denen über Luthers Theologie erzähle, etwas vorlese und zum Gespräch einlade.
15. Dezember, um 19 Uhr im Gemeindesaal, Nicolaiberg 5 / 1. OG
26. Januar, um 19 Uhr im Gemeindesaal, Nicolaiberg 5 / 1. OG
16. Februar, um 19 Uhr im Gemeindesaal, Nicolaiberg 5 / 1. OG

Buchtitel Salvatore20. Januar 2015, 19.00 Uhr: Stadler, Arnold. Salvatore. Frankfurt: Fischer, 2008.

Salvatore schaut sich im Gemeindesaal einen Schwarzweißfilm aus dem Jahr 1964 nach Jahrzehnten zum zweiten Mal an. Pasolinis „Das 1. Evangelium – Matthäus“ ist dem Andenken des 1963 verstorbenen Papstes Johannes XXIII. Gewidmet, und der Film wimmelt von Verwandten Salvatores väterlicherseits. Alle diese Laiendarsteller kommen aus Matera. Einem Onkel Salvatores hatte Pasolini sogar die Rolle des Matthäus anvertraut. Eine gute Wahl, findet Salvatore. Denn jener Onkel wäre ebenso ein Sünder gewesen wie der ehemalige Zöllner Matthäus aus Kafarnaum. Die Filmkarriere zweier Onkel endete darauf bald im Gefängnis. Als Salvatore den Gemeindesaal verließ, ist er ein anderer Mensch geworden.

bulgakow9. Dezember 2014, 19.00 Uhr: Bulgakow, Michail. Der Meister und Margarita. Roman (1966/67). München: DTV, 1978.

Bulgakow schrieb den Roman ab 1928 und diktierte seiner Frau Jelena kurz vor seinem Tod im März 1940 die letzte Fassung. Das von der Zensur um rund ein Achtel gekürzte Werk erschien ab November 1966 in Fortsetzungen in der Literaturzeitschrift „Moskwa“, deren Auflage von 150.000 Exemplaren in dieser Zeit stets binnen weniger Stunden ausverkauft war. Viele Kunden lasen den Roman innerhalb kürzester Zeit durch und konnten ihn auswendig wiedergeben; Gruppenlesungen wurden veranstaltet, der Roman wurde in der Öffentlichkeit diskutiert. Die von der Zensur herausgekürzten Teile wurden mit der Schreibmaschine oder handschriftlich vervielfältigt und heimlich verbreitet (Samisdat). Den surreale, fast magische Atmosphäre des Buches wird immer wieder von Jesus-Kapitels durchbrochen, aus denen ich lese.

Buchcover28. Oktober 2014, 19.30 Uhr, Gesprächskreis im Gemeindesaal (Nicolaiberg 5 / 1. OG): : Colm Tóibín, Marias Testament (München: Hanser, 2014).

In letzten Zeit kommen Männer zu Maria, die sie nach dem Leben ihres Sohnes ausfragen. Maria sind sie suspekt. Sie machen aus dem Leben ihres Sohnes eine Geschichte, die sie nicht versteht. Schon ihren Sohn hat sie manchmal nicht verstanden.

Miller Sweet16. September 2014, 19.30 Uhr, Gesprächskreis im Gemeindesaal (Nicolaiberg 5 / 1. OG): Mary Miller, Süßer König Jesus (Berlin: Metrolit, 2014).

Zwei erwachsene bibeltreue Christen fahren nach Kalifornien, um dort die Wiederkehr Christi zu erwarten. Die Welt, wie wir sie kennen, wird dort enden. Darüber sind die beiden sehr froh, denn sie können nicht mehr viel mit ihr anfangen. Anders die beiden halbwüchsigen Mädchen auf dem Rücksitz. Für sie ist der Trip in den Süden schlechthin das Abenteuer ihres Lebens. Sie interessieren sich für die verschiedenen Fastfood-Restaurant und Hotelketten, wo sie anhalten. Sie interessieren sich für Süßigkeiten, Jungen und Cowboy-Boots.

10. Juli 2013, 19.30 Uhr, Gesprächskreis im Gemeindesaal (Nicolaiberg 5 / 1. OG): Wenn ich dich umarme, hab keine Angst! Eine wahre Geschichte erzählt von Fulvio Ervas. Zürich: Diogenes, 2013.

Die Welt der Autisten darf sich nicht verändern. Alles muss klar und erwartbar sein. Dann fühlen sie sich wohl. Das sagen die Therapeuten. Der Vater des 16jährigen italienischen Jungen Andrea meint das nicht. Er fährt mit seinem Jungen auf einer Harley Davidson durch Amerika. Das klappt, obwohl der Junge auffällt und mit seinen Eigenheiten seine Umwelt strapaziert. Das Buch erzählt von dieser Reise nicht nur Anekdoten, sondern auch davon, wie eine Krankheit die Welt in einem anderen Licht erscheinen lässt und Dinge hervorbringt, die sonst niemand bemerkt hätte.

14. Aug. 2013, 19.30  Gesprächskreis im Gemeindesaal (Nicolaiberg 5 / 1. OG): Christa Wolf. Leibhaftig. Erzählung. München: Luchterhand Literaturverlag, 2002.

Eine Frau wird ins Krankenhaus eingeliefert. Es wird genau beschrieben, wie sie lückenhaft und völlig verändert ihre Welt wahrnimmt. In der Notaufnahme versucht man ihr zu helfen. Der Prozess zieht sich hin. Das Immunsystem ist offenbar beteiligt. Erinnerungen drängen sich in das Bewusstsein der Patientin. Offenbar hat ich Kollabieren auch etwas mit ihrem Leben und dem politischen System zu tun, unter dem sie litt. – Christa Wolf hat eine große Parabel über das Verhältnis von Leben und Politik geschrieben und sie wählte dazu das Bild des körperlichen Krankseins. „Leibhaft“ heißt: Ihr Körper hält sie gefangen. Aber es heißt auch: Was sie erlebte, verarbeitet sie „leibhaft“.

10. April 2013, 19.30 Uhr: Fabian Vogt. 2017 – Die neue Reformation. Asslar: Adeo, 2012.

Der Kirchentag Stuttgart 2015 ist zu Ende. Einige Jugendliche fahren im ICE nach Hause. Beim Gedanken an die Gemeinden, die sie zu Hause erwarten, geraten sie in eine frustrierte Stimmung. Da steht einer von Ihnen auf und sagt: “Schimpfen wir nicht bloß. Machen wir eine neue Reformation!” Und da die Szene in einem kirchlichen Zukunftsroman spielt, bleibt es nicht nur bei der Idee. Es entsteht eine große lockere, von der Jugendkultur geprägte Feierkirche, die bald zur drittgrößten Konfession der Bundesrepublik Deutschland aufsteigt. 25 Jahre später ist der neue Reformator Christian van Haewen wieder frustriert. Seine Erneuerungsbewegung hat zur Gründung einer neuen Kirche geführt. Vieles läuft in die falsche Richtung. Um sich neu zu besinnen, fährt er nach Griechenland und reist dort auf den Spuren des Paulus umher. Dabei versteht er die Probleme der Jungen Kirche und auch ihre Problemlösungen, und so kommt er auf einige Gedanken, die er in der großen Jubiläumsrede vorträgt. Ich stelle den kirchlichen Zukunftsroman vor und hoffe auf ein Gespräch darüber, wie die Reformation weitergehen soll.

13. März 2013, 19.30 Uhr, Jana Huster liest aus ihrem Buch „Welterklärer und andere Wegeriche“. Gera: Adakia, 2012.

Jana Huster hat ein kleines Geschäft am Steinweg 4, in dem sie regionale Produkte verkauft. Neben Ziegenkäse, Liebeskonfitüre und Senfspezialitäten sammeln sich dort auch Kunden. Unten denen sind viele Menschen, die ausführliche Erzählungen zum Besten geben und – ja eben auch die Welt erklären. Mit viel Liebe zu den kleinen Leuten erzählt Jana Huster – manchmal haarsträubende – Geschichten über eigentümliche Wege, die das Leben so geht, auch über Stippvisiten bei der dicken Nachbarin, der Kirche St. Salvator. Die Autorin liest aus ihrem Buch und redet mit den Menschen, über die sie schreibt – mit uns.

13. Februar 2012, 19.30 Uhr: Hamed Abdel-Samad: Mein Abschied vom Himmel, Köln: Fackelträger Verlag 2009.

Mein Abschied vom Himmel ist die bittere Geschichte eines hochbegabten, während seiner Kindheit missbrauchten muslimischen Mannes. In Ägypten, Japan und Deutschland erhofft sich Hamed Abdel-Samad eine Erklärung für die Gewalt, der er ausgeliefert war und die lange ein Teil seiner Existenz war. Er sucht Orientierung bei ägyptischen Marxisten, fundamentalistischen Muslimbrüdern, Buddhisten und unter dem Druck seiner seelischen Wunden Zuflucht in psychiatrischer Behandlung. In seinem aufsehenerregenden Buch hält Hamed Abdel-Samad Orient und Okzident gleichermaßen den Spiegel vor und zeigt am Beispiel seines eigenen Lebens Spannungen, Konflikte und Möglichkeiten, die in jeder dieser Kulturen existieren.

9. Januar 2013, 19.30 Uhr: Salman Rushdie. Die satanischen Verse (1988). Artikel-19-Verlag, o.O. 1989; Rowohlt, Reinbek 2006.

1988 erschien Salman Rushdies Buch Die satanischen Verse. Die in den Albträumen eines Protagonisten widergespiegelte Lebensdarstellung des Propheten Mohammed war der Anlass für den iranischen Staatschef Khomeini, Rushdie mittels einer Fatwa am 14. Februar 1989 zum Tode zu verurteilen. Begründet wurde diese Fatwa damit, das Buch sei „gegen den Islam, den Propheten und den Koran“. Khomeini rief die Muslime in aller Welt zur Vollstreckung auf. Um die Durchführung zu beschleunigen, wurde ein Kopfgeld von drei Millionen US-Dollar ausgesetzt. Das Buch selbst birgt für unser Empfinden erstaunlich wenig Provokation. „Satanische Verse“ ist die Bezeichnung für eine Überlieferungsvariante im Koran. In der 53. Sure „Der Stern“ (al-Nadschm) geht es um drei bei der Kaaba in Mekka verehrte, vorislamische, weibliche Gottheiten: Al-Lat, Al-’Uzza und Al-Manat. In der überlieferten Fassung des islamischen Gelehrten und Historikers Tabari erlaubt Mohammed ihre Verehrung, während er sie in der kanonischen Fassung ablehnt. In einer kleinen Reihe möchte ich im Gesprächskreis Themen um den Islam aufgreifen und beginne mit diesem Buch, das seinerseits den Beginn einer härteren Gangart zwischen den Religionen bezeichnet.

12. Dezember 2012, 19.30 Uhr: Elisabeth Altrock. Dreh dich nicht um. Halle: Projekte Verlag Cornelius, 2012.

Elisabeth Altrock erzählt ihre eigene Geschichte. Mit einem Kabarett aus Schwesternschülerinnen wird sie in der DDR hoch dekoriert. Dann macht sie nicht gut genug mit und gerät in die Mühlen der Staatssicherheit. Der Leser ihres ersten Buches „Liebet eure Feinde … nicht mit mir Genossen“ wird in die Unheimlichkeit einer solchen rechtlosen Situation hinein gesogen. Jetzt stellt die Autorin bei uns ihr zweites Buch vor. Es spinnt die Geschichte der Kabarettistin Rahel Bach weiter und schildert, wie es ihr erging, nachdem sie in das andere Deutschland emigriert war.

21. November 2012, 19.30 Uhr: Patrick Roth. Sunrise. Das Buch Joseph. Göttingen: Wallstein, 2012.

Es gibt einen zeitgenössischen Autor, der unablässig im von biblischen Figuren erzählt und (trotzdem) vom deutschen Feuilleton geliebt wird. Diesmal fabuliert der deutsche Autor, der in Los Angeles in Fahrradweite zum Stadtteil Hollywood lebt, Geschichten um Joseph von Nazareth, dem (Zieh-)Vater Jesu. Patrick Roth verbindet in seiner sehr persönlichen Erzählkunst filmische Mittel mit dem erhabenen Stil Heiliger Schriften. Lassen Sie uns über Joseph reden!

Gesprächskreis am 10. Oktober 2012, 19.30 Uhr: Klaas Huizing. Mein Süßkind. Ein Jesusroman. Gütersloh, Gütersloher Verlagshaus, 2012.

Wie lebte Jesus, bevor er berühmte würde? Und wie wurde er überhaupt, was er wurde? Dieser Frage geht Klaas Huizing in seinem gut recherchierten Jesus-Roman nach. Er tut das meist unspektakulär, beschreibt, wie Jeschua seine erste Steinigung einer Ehebrecherin erlebt, und wie er nicht weiß, ob er seinen Freund Jonathan wirklich ins Leben zurück gebetet hat, als der beim Spielen verunglückt. Als Jeschua zum ersten Mal nach Jerusalem reist, geht es ihm wie weiland dem jungen Luther bei der Romreise. Er ist tagelang nachdenklich, weil er bezweifelt, das Gott so gepriesen werden soll, wie es die prächtige Tempelarchitektur tut.

Gesprächskreis am 12. September 2012, 19.30 Uhr: Ferdinand von Schirach. Schuld. Stories. München/Zürich: Piper, 2010.

Ferdinand von Schirach ist Rechtsanwalt. Er erzählt Geschichten, die er in seiner Praxis erlebt. In einem protokollarischen Stil breitet er Dinge vor uns aus, die kaum zu glauben sind. Gleichzeitig kennen wir die Welt und können uns vorstellen, dass Dinge so laufen. Lassen wir von Schirachs Geschichten auf uns wirken, wissen wir nach einer Weile nicht mehr, was Schuld ist und was Verantwortung, ob es Zurechenbarkeit überhaupt gibt und ob Verbrechen nicht vielleicht eher unglückliche Zufälle sind. Angesichts dieser Geschichten möchte ich unbeirrt nach „Schuld“ fragen (und nach Vergebung).

8. August 2012, 19.30 Uhr: Ökumenischer Gesprächskreis zu Paul M. Zulehner, Kirchenvisionen. Orientierung in Zeiten des Kirchenumbaus. Ostfildern: Patmos, 2012.

Organisationen werden gegründet, sie wachsen heran, werden groß und schließlich verkrusten sie und sterben ab. Wird es den Kirchen auch so gehen? Paul Zulehner zeigt, wie es der Kirche immer wieder gelungen ist, sich neu zu erfinden. Aber ein neuer Gründungsimpuls braucht kühne Visionen. Wie soll die Kirche der Zukunft aussehen? Der katholischenAutor probiert ein paar ganz ungewöhnliche Ideen aus, die ich vorstellen und mit Dekan Klaus Schreiter und Ihnen diskutieren möchte.

18. Juli 2012, 19.30 Uhr: Reimer Gronemeyer. [Himmel, der]. Sehnsucht nach einem verlorenen Ort. München: Pattloch, 2012.

Eine Zeitlang schien es vernünftig, den Himmel den Engeln und den Spatzen zu überlassen. Hinten der schwarzen Leere des Universums und den unzähligen Sternen war sowieso nichts anderes zu erwarten. Aber seit die Idee der klassenlosen Gesellschaft vorerst scheiterte und auch das versprochene irdische Paradies auszubleiben scheint, ist es wieder möglich, nach dem Himmel zu suchen – und nach dem, was daraus geworden ist. Ein ehemaliger Pfarrer, der sein Leben lang als Soziologie-Professor gearbeitet hat, sucht in diesem Buch nach dem Himmel. Was denken und empfinden wir eigentlich angesichts des Himmels?

9. Mai 2012, 19.30 Uhr: Sebastian Wohlfahrt, Mein Siebenbürgen. Notizen aus Hermannsstadt. Ein Text aus der Fuge. Journal für Religion & Moderne Nr. 9 (2011)

Sebastian Wohlfahrt hat seinen Entsendungsdienst als Pfarrer in Siebenbürgen verbracht. Im Stile großer Tagebuchautoren wie Ernst Jünger beschreibt er nüchtern und Detail genau sein Leben dort. Zehn Jahre Später findet das eine katholische Zeitschrift so interessant, dass sie das Tagebuch in mehreren Folgen druckt. Der Autor liest bei uns aus seinem Text und spricht gerne mit uns über Hermannsstadt, den Alltag, Europa und seine Kultur.

11. April 2012, 19.30 Uhr: Rudi Assauer. Wie ausgewechselt. München: Riva, 2011.

Als Tilman Jens seinen dementen Vater beschrieb, hieß es noch, er betreibe Vatermord. Leiden wie die von Alzheimerkranken gehörten nicht in die Öffentlichkeit. Besonders wenn der Betreffende – wie Walter Jens – so viel geleistet habe, das er nationale Achtung verdiene. Es war einem Fußball-Manager aus dem Ruhrgebiet beschieden, mit seiner eigenen Alzheimererkrankung offensiv umzugehen und dafür ganz weitgehende Achtung zu erhalten. Offenbar hat sich in unserer Gesellschaft etwas verändert. Ich möchte dieses Buch vorstellen und es mit den wunderbaren Büchern von Arno Geiger und Tilman Jens vergleichen.

14. März 2012, 19.30 Uhr: Pawel Florenskij. Die umgekehrte Perspektive. Berlin: Kontext, 1997.

Ikonen sind Fenster zur Ewigkeit. Allerdings schauen wir nicht durch diese Fenster in die Ewigkeit, sondern wir werden durch sie angesehen. Gott schaut uns durch die Ikone an. Das ist die Vorstellung, die zur Bildfrömmigkeit der Ostkirchen gehört. Am 14. März stelle ich ein Buch vor, das diese Sicht faszinierend ausführt und begründet: “Die umgekehrte Perspektive” von Pavel Florenkij. Am 15. März 2012 um 18.30 Uhr beginnt in unseren Gemeinderäumen ein Kurs, in dem die Teilnehmer gemeinsam eine Ikone schreiben. Die Malerin Ute Rückert leitet ihn an. Hier steht Näheres.

8.  Februar 2012, 19.30 Uhr: John Niven. Gott bewahre. München: Heyne, 2012.

“Da kommt Gott – tut so als wärt ihr beschäftigt!” Gott war kurz weg – nur etwa 500 Jahre und schon ist auf der Erde alles durcheinander geraten. Jesus muss auf die Erde, um wieder Ordnung zu schaffen. Da er Jahrhunderte lang mit Jimmi Hendrix Gitarre gespielt hat, bewirbt er sich bei einer Casting-Show und ist plötzlich sehr populär. Was macht er daraus? – Der flapsig geschriebener Roman eines Bestsellerautors zeigt wieder einmal überraschende Wege, die die Jesusfigur in unserer Kultur geht.

11. Januar 2012, 19.30 Uhr: Sebastian Moll. Jesus war kein Vegetarier. Berlin: University Press, 2011.

Die westliche Welt ist sich mehr oder weniger einig, dass Tierschutz eine gute Sache ist, Frauen aus den geistlichen Ämtern der Kirche nicht wegzudenken sind, Schwule ihre Sexualität leben dürfen und Christen unter Juden nicht mehr unbefangen Mission treiben sollten. Schlägt man nun das Buch der Bücher auf, wird man gewahr, dass alle diese politisch korrekten Einstellungen der Bibel fremd sind. Trotzdem werden sie alle aus ihr begründet. Wie kann das sein? In spöttischem Ton führt der Autor die “Tatsachen” vor, wie Frauen, Tiere, Homosexualität und “die Juden” in der Bibel eingeordnet werden. Er ist kein Biblizist, sondern eben ein junger Mann, der an einer staatlichen Universität Theologie lehrt und sich mehr Sorgfalt und Respekt bei der Bibelauslegung wünscht. Das ist verständlich. Trotzdem versteht er nicht gut genug, dass die historischen Positionen der Bibel und unsere heutige Orientierung an ihr nicht dasselbe sind. Er hat Recht, dass mit den “Geringsten der Brüder” in der Bibel nicht die Tiere gemeint sind. Und doch kann sich heutige Tierethik an diesem Vers orientieren. Ein Gesprächsabend über das Thema: Wie begründet man etwas aus der Bibel?

9. November, 19.30 Uhr: Elisabeth Altrock. “…Und liebet Eure Feinde…” – Nicht mit mir Genossen!

Die Hauptfigur dieses Buches, Elisabeth Altrock, hat in der DDR ein hoch renommiertes Kabarett geleitet. Aber irgendwie hat sie es nicht geschafft, ein friedliches Auskommen mit dem Staat zu erzielen (wie die meisten anderen Kabaretts). Deshalb ging es ihr schlecht. Das Buch schildert das Leben in einer Welt, in der es kein Recht gibt, auf das man sich verlassen kann, sondern nur die alltägliche Willkür. Die Autorin wird ihr Buch selbst vorstellen.

5. Oktober, 19.30 Uhr: Rob Bell. Love Wins

Gemeinsam mit Uwe Heimowski von der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde Gera (G 26) stelle ich das Buch „Das letzte Wort hat die Liebe“ von Rob Bell vor. Dieses Buch hat heftige Kontroversen ausgelöst, weil es – kurz gesagt – die Meinung vertritt, dass die Liebe Gottes am Ende stärker sein wird als jede Bosheit der Menschen. Also keine Hölle.

7. September, 19.30 Uhr: Martin Walser. Muttersohn

Martin Walsers neues Buch berichtet von einem jungen Mann, für dessen Zeugung kein Mensch notwendig war. Percy ist ein sanfter Typ, der eigene Rituale erfunden hat, um psychisch kranke Menschen zu heilen und der gewinnend reden kann. Ein Jesusbuch?

Frühere Gesprächskreise:

Väter und Söhne, Macht und Ohnmacht

Zwischen Vater und Sohn geht es immer auch um Stärke und Schwäche. Besondere Brisanz erhält das Thema, wenn der Vater sich in die Demenz verabschiedet. Dann drehen sich Sorge und Verantwortung plötzlich um. In der letzten Zeit sind drei Bücher erschienen, die auf verschiedene und faszinierende Weise das Thema aufgreifen. Ich möchte die Bücher vorstellen und mit Ihnen diskutieren. Dabei wird es natürlich um das christliche Menschenbild gehen und vielleicht auch um Gottvater und seinen Sohn. Auch hier ging es ja um Macht und Ohnmacht.

15. Juni 2011, 19.30 Uhr: Tilman Jens beschrieb in seinem Buch „Demenz. Abschied von meinem Vater“ (2009) die Hilflosigkeit seines berühmten Vaters Walter Jens. Anschließend bekam er Ärger. Ihm wurde vorgeworfen, er beschreibe seinen kranken Vater zu drastisch. Deswegen antwortete er mit einem weiteren Buch „Vatermord. Wider einen Generalverdacht“. Beide will ich vorstellen.

6. Juli 2011, 19.30 Uhr: Der Schriftsteller Arno Geiger hat ein bewegendes Buch über seinen Vater geschrieben. Der Titel „Der alte König in seinem Exil“ (2011) lässt viele an den König Lear denken, der bei seinen Töchtern nicht so gut aufgehoben war, als er seine Macht abgab. Arno Geiger versteht sich mit seinem kranken versponnenen Vater besser als früher mit dem autoritären.

10. August 2011, 19.30 Uhr: Walther Kohl ist der Sohn von Helmut. Dieser hat ihn offenbar beinahe erdrückt. Erst langsam und spät fand der Sohn in ein eigenes Leben. Darüber schrieb er ein Buch: „Leben oder gelebt werden. Schritte auf dem Weg zur Versöhnung“ (2011). Ich stelle das Buch gemeinsam mit meiner Frau vor.

Jesus-Romane aus drei Jahrhunderten

Schriftsteller lesen die Evangelien anders als Menschen, die ihr Leben an ihnen orientieren wollen. Trotzdem – oder gerade deshalb – finden sie manchmal Gedanken, die auch für altgediente Bewohner der Bibel aufschlussreich sind. Im Gesprächskreis wird zuerst aus dem betreffenden Buch gelesen, dann über die Themen diskutiert, die es aufwirft.

Am 9. März 2011, 19.30 Uhr sprechen wir über Philip Pullman, der den Goldenen Kompass geschrieben hat und jetzt auch ein Jesus-Buch: „Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus“, erschienen 2011.

Am 13. April 2011, 19.30 Uhr geht es um den portugiesischen Nobelpreisträger José Saramago. Stefan Fratte wird dessen Buch „Das Evangelium nach Jesus Christus“ vorstellen. Es erschien 1993.

Am 10. Mai 2011, 19.30 Uhr tauchen wir ins 19. Jahrhundert und in die Salons von St. Petersburg. Fjodor M. Dostojewskijs Jesusroman „Der Idiot“ erschien 1869.

Die großen Fantasy-Epen oder Was lesen unsere Enkel?

Mit religiöser Inbrunst stürzen sich viele Menschen (innerhalb und außerhalb der Kirche)  in Romanzyklen, die ganze Welten erschaffen und in denen es sich gut leben lässt. Der Kampf Gut gegen Böse spielt dabei immer eine große Rolle. Aber wie das vor sich geht, ist nicht egal und spannend zu beobachten. Pfarrer Hiddemann und Gemeindepädagoge Stefan Fratte stellen die Bücher und ihre Welten vor und hoffen auf gute Gespräche

am 8. Dezember 2010, 19.30 Uhr über Harry Potter,

am 12. Januar 2011, 19.30 Uhr über  Tolkiens Herrn der Ringe und

am 9. Februar 2011, 19.30 Uhr über Cornelia Funkes Tintenherz-Trilogie.

Jesus, Tod & Gehorsam

8. September 2010, 19.30 Uhr: Der deutsche Schriftsteller und Filmemacher Patrick Roth hat eine Christusnovelle geschrieben, bildhaft, sprachgewaltig und von im 20. Jahrhundert nicht mehr erwarteter Direktheit: Riverside (1994).

13. Oktober 2010, 19.30 Uhr: Julian Barnes schreibt ein dickes Buch über den Tod, den er unablässig bedenkt, beschreibt, umkreist: Nichts, was man fürchten müsste (2010). Sein erster Satz: „Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn.“

10. November 2010, 19.30 Uhr: Karin Stelling schreibt ein Buch über eine junge Frau, die ihr Leben lang gelernt hat, dass sie auf ihre Bedürfnisse achten soll. Dann verliebt sie sich in einen konservativen Christen, der der Meinung ist: „Der Mann ist das Haupt der Frau!“ Horchen (2010).

Jesus-Bücher aus dem 20. Jahrhundert

7. Juli 2010, 19.30 Uhr: Passend zum Theater-Gottesdienst über das Stück „Einsame Menschen“ stelle ich Gerhart Hauptmanns Jesus-Roman vor „Der Narr in Christo Emanuel Quint“ (1910).

11. August 2010, 19.30 Uhr: „Die Legende“ von William Faulkner (1955) lässt Jesus anonym als einfachen Soldaten auferstehen, der etwas Besonderes tut.

8. September 2010, 19.30 Uhr: Der deutsche Schriftsteller und Filmemacher Patrick Roth hat eine Christusnovelle geschrieben, bildhaft, sprachgewaltig und von im 20. Jahrhundert nicht mehr erwarteter Direktheit: Riverside (1994).

Neue Bücher über Jesus + Gott

14. April 2010, 19.30 Uhr: David Safier, Jesus liebt mich. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. – Ein Jesus-Buch für die erfolgreiche Frau von heute, die unter den unbarmherzigen Anforderungen an ihr Geschlecht müde geworden ist.

12. Mai 2010, 19.30 Uhr: William Paul Young, Die Hütte. Ein Wochenende mit Gott. Berlin: Allegria, 2009. – Ein Mann trifft in der Hütte, in der seine fünfjährige Tochter ermordet wurde, auf Gott. Werden die Drei es schaffen, seine große Traurigkeit aufzulösen?

9. Juni 2010, 19.30 Uhr: Joseph Ratzinger Benedikt XVI. Jesus von Nazareth. Bd. 1: Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung. Freiburg/Basel/Wien: Herder, 2007. – Jesus aus der Perspektive eines alten Mannes: eine klare und durchdachte Darstellung des biblischen Jesus als Sohn Gottes und Retter der Menschen.